Hinter perfekten Fassaden lauern die Monster

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bücherdrache Avatar

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„Perfect Little Monsters“ beginnt für mich zunächst wie ein Highschool-Thriller, den man in seinen Grundzügen schon kennt. Eine einflussreiche Clique, Cheerleaderinnen, eine Party und am nächsten Morgen eine tote Mitschülerin. Doch je weiter ich gelesen habe, desto weniger ließ sich die Geschichte auf ein simples Spiel aus beliebten Mädchen, Außenseitern und Mordverdächtigen reduzieren.

Besonders mochte ich die beiden Erzählstränge. Dawn erlebt die Gegenwart, nachdem sie neu an die Schule gekommen ist und ausgerechnet in Ellas Freundeskreis gerät. Hannahs Geschichte führt dagegen drei Jahre zurück. Lange habe ich versucht, die Verbindungen zwischen den beiden Mädchen und den Ereignissen zu durchschauen. Dabei liefert Cindy R. X. He genügend Hinweise, um eigene Theorien zu entwickeln, ohne die Lösung vorzeitig preiszugeben. Einige Spuren waren für mich durchaus erkennbar, die entscheidende Wendung hatte ich jedoch nicht so auf dem Schirm.

Die Atmosphäre hat etwas unangenehm Glattes. Hinter Cheerleaderuniformen, Partys und perfekten Fassaden lauern Abhängigkeiten, Demütigungen und Machtspiele. Interessant fand ich vor allem, dass Mobbing hier nicht nur als Hintergrund für einen Mord dient. Die Geschichte beschäftigt sich auch mit den Folgen von Gruppendruck, psychischer Gewalt und dem Bedürfnis nach Vergeltung. Dadurch bekommt der Highschool-Krimi eine deutlich dunklere Ebene, die über die eigentliche Tätersuche hinausgeht.

Dawn war für mich eine überzeugende Hauptfigur, weil sie nicht ständig die richtigen Entscheidungen trifft. Ihr Wunsch, irgendwo dazuzugehören, ihre Unsicherheit und manche ihrer Fehlentscheidungen machen sie nachvollziehbar, ohne sie von jeder Verantwortung freizusprechen. Auch die Nebenfiguren haben mehr zu verbergen, als zunächst sichtbar ist, wodurch sich meine Einschätzung einzelner Personen im Verlauf immer wieder verändert hat.

Der Schreibstil von Cindy R. X. He ist direkt und sehr zugänglich. Sie verliert sich nicht in Nebensächlichkeiten und hält das Tempo über weite Strecken hoch. Im letzten Viertel wurde mir die Entwicklung allerdings etwas zu konstruiert und psychologisch nicht mehr in jeder Hinsicht überzeugend. Die Auflösung funktioniert als Thrillerwendung, hat für mich aber nicht ganz dieselbe Glaubwürdigkeit wie der sorgfältig aufgebaute Weg dorthin.

Für mich bleibt „Perfect Little Monsters“ ein spannender und stellenweise ziemlich düsterer YA-Psychothriller. Besonders die Verbindung aus Mordermittlung, toxischen Gruppendynamiken und den Folgen von Mobbing hat dafür gesorgt, dass mir die Geschichte auch über den eigentlichen Kriminalfall hinaus im Gedächtnis geblieben ist.