YA Thriller mit Mean Girls Vibes, das leider falsche Messages sendet...
Puh, mir fällt es echt nicht leicht, diese Rezension zu schreiben, aber nachdem ich erst einen guten Teil der Geschichte über gut unterhalten wurde, hat das Hörbuch zum Ende hin plötzlich sehr starke Gefühle bei mir ausgelöst und lässt mich mit einem eher unguten Gefühl zurück.
Die ersten etwa 75% des Hörbuches fand ich wirklich spannend - als Leser:in wird man direkt in die Story geworfen, sie geht schnell los und behält im Verlauf auch ihr Tempo. Das Schema ist recht simpel; das beliebteste Mädchen der Schule wird tot aufgefunden, ihr engster Freundeskreis, bestehend aus den Cheerleading- und Footballteams inklusive der Protagonistin, steht unter Verdacht und die Protagonistin beschließt daher, selbst im Fall zu ermitteln und herauszufinden wer das Mädchen ermordet hat.
Die Ermittlung des Falls und die Intrigen sind nicht sehr komplex, und auch die Nebencharaktere sind recht flach, da sie alle eine klare zugeschriebene Rolle erfüllen und es keine tieferen Charakterisierungen gibt. Die Geschichte hat starke 2000er Mean Girl Vibes und die Charaktere und Plotlines folgen der stereotypischen American Highschool Hierarchie. Durch die Vorhersehbarkeit sticht zwar nichts besonders hervor, aber ich habe mich trotzdem gut unterhalten gefühlt. Auch die zwei abwechselnden Erzählstränge haben für mich gut funktioniert. Sehr stark finde ich zudem, wie intensiv das Buch das Thema Schul- und Cybermobbing behandelt und dabei die sehr ernstzunehmenden Auswirkungen auf die Opfer, wie Suizid, beleuchtet.
Dann kam allerdings der große Plottwist und ab dem Punkt hat das Hörbuch eine Wendung genommen, die ich leider gar nicht gut heißen kann. Dabei geht es mir gar nicht um den Verlauf der Geschichte - obwohl ich beispielsweise den Plottwist vorhergesehen habe, finde ich das an sich gar nicht schlimm -, sondern um die Darstellung von mentaler Gesundheit und psychischen Krankheiten.
Auch wenn ich eigentlich der Meinung bin, dass nicht jedes Buch zwingend eine "Message” haben muss, und (gerade Thriller) auch einfach der Unterhaltung dienen können, habe ich mich bei diesem Hörbuch dann doch gefragt, was es mit dem Ende aussagen möchte. In einer Geschichte, die Mobbing und Suizidgedanken so ernsthaft behandelt und offensichtlich zur Entstigmatisierung beitragen möchte (und es meiner Meinung auch tut!), ist mir wirklich schleierhaft, was man von der Auflösung des Plots und der Charakterisierung einer bestimmten Figur mitnehmen soll. Ohne Spoiler kann ich hierbei nicht näher darauf eingehen, aber an dieser Stelle hatte mich das Hörbuch leider einfach verloren.
Die Message zum Schluss, dass das Leben von Jugendlichen ernst(er) genommen und nicht als eine Phase, die später im Leben irrelevant sein wird, runtergespielt werden sollte, fand ich allerdings sehr schön, da es so wichtig und richtig ist, und für mich auch ein Grund, warum YA-/Jugendliteratur so wertvoll ist - auch wenn sie von der Auflösung des Plots überschattet wird und daher ein wenig fehl am Platz wirkt. Ich hätte mich gefreut, wäre dieser Gedanke noch stärker in die Story (auch mit Blick auf die Nebencharaktere) eingebaut gewesen.
Die Sprecherin im Hörbuch hat mir gut gefallen - sie hat zu den jugendlichen Charakteren gepasst und auch die leichten Veränderungen der Stimme haben die Story gestützt.
Abschließend muss ich sagen, dass ich mir wegen des fahlen Beigeschmacks, den die Geschichte bei mir hinterlässt, nicht sicher bin, ob ich das Buch (zumindest für eine jugendliche Leserschaft) weiterempfehlen kann. Wer gerne YA liest, auf fast-paced Thriller nach recht simplem Schema und stereotypischen Charakteren steht, und über die ein oder anderen Plotholes hinwegsehen kann, wird mit Sicherheit gut unterhalten werden, aber die Stigmatisierung von psychischen Krankheiten und Mental Health, die das Buch in meinen Augen reproduziert, kann ich nicht unterstützen. Daher leider nur 2 Sterne von mir.
Vielen Dank an den Der Audio Verlag und NetGalley für das Rezensionsexemplar.
Die ersten etwa 75% des Hörbuches fand ich wirklich spannend - als Leser:in wird man direkt in die Story geworfen, sie geht schnell los und behält im Verlauf auch ihr Tempo. Das Schema ist recht simpel; das beliebteste Mädchen der Schule wird tot aufgefunden, ihr engster Freundeskreis, bestehend aus den Cheerleading- und Footballteams inklusive der Protagonistin, steht unter Verdacht und die Protagonistin beschließt daher, selbst im Fall zu ermitteln und herauszufinden wer das Mädchen ermordet hat.
Die Ermittlung des Falls und die Intrigen sind nicht sehr komplex, und auch die Nebencharaktere sind recht flach, da sie alle eine klare zugeschriebene Rolle erfüllen und es keine tieferen Charakterisierungen gibt. Die Geschichte hat starke 2000er Mean Girl Vibes und die Charaktere und Plotlines folgen der stereotypischen American Highschool Hierarchie. Durch die Vorhersehbarkeit sticht zwar nichts besonders hervor, aber ich habe mich trotzdem gut unterhalten gefühlt. Auch die zwei abwechselnden Erzählstränge haben für mich gut funktioniert. Sehr stark finde ich zudem, wie intensiv das Buch das Thema Schul- und Cybermobbing behandelt und dabei die sehr ernstzunehmenden Auswirkungen auf die Opfer, wie Suizid, beleuchtet.
Dann kam allerdings der große Plottwist und ab dem Punkt hat das Hörbuch eine Wendung genommen, die ich leider gar nicht gut heißen kann. Dabei geht es mir gar nicht um den Verlauf der Geschichte - obwohl ich beispielsweise den Plottwist vorhergesehen habe, finde ich das an sich gar nicht schlimm -, sondern um die Darstellung von mentaler Gesundheit und psychischen Krankheiten.
Auch wenn ich eigentlich der Meinung bin, dass nicht jedes Buch zwingend eine "Message” haben muss, und (gerade Thriller) auch einfach der Unterhaltung dienen können, habe ich mich bei diesem Hörbuch dann doch gefragt, was es mit dem Ende aussagen möchte. In einer Geschichte, die Mobbing und Suizidgedanken so ernsthaft behandelt und offensichtlich zur Entstigmatisierung beitragen möchte (und es meiner Meinung auch tut!), ist mir wirklich schleierhaft, was man von der Auflösung des Plots und der Charakterisierung einer bestimmten Figur mitnehmen soll. Ohne Spoiler kann ich hierbei nicht näher darauf eingehen, aber an dieser Stelle hatte mich das Hörbuch leider einfach verloren.
Die Message zum Schluss, dass das Leben von Jugendlichen ernst(er) genommen und nicht als eine Phase, die später im Leben irrelevant sein wird, runtergespielt werden sollte, fand ich allerdings sehr schön, da es so wichtig und richtig ist, und für mich auch ein Grund, warum YA-/Jugendliteratur so wertvoll ist - auch wenn sie von der Auflösung des Plots überschattet wird und daher ein wenig fehl am Platz wirkt. Ich hätte mich gefreut, wäre dieser Gedanke noch stärker in die Story (auch mit Blick auf die Nebencharaktere) eingebaut gewesen.
Die Sprecherin im Hörbuch hat mir gut gefallen - sie hat zu den jugendlichen Charakteren gepasst und auch die leichten Veränderungen der Stimme haben die Story gestützt.
Abschließend muss ich sagen, dass ich mir wegen des fahlen Beigeschmacks, den die Geschichte bei mir hinterlässt, nicht sicher bin, ob ich das Buch (zumindest für eine jugendliche Leserschaft) weiterempfehlen kann. Wer gerne YA liest, auf fast-paced Thriller nach recht simplem Schema und stereotypischen Charakteren steht, und über die ein oder anderen Plotholes hinwegsehen kann, wird mit Sicherheit gut unterhalten werden, aber die Stigmatisierung von psychischen Krankheiten und Mental Health, die das Buch in meinen Augen reproduziert, kann ich nicht unterstützen. Daher leider nur 2 Sterne von mir.
Vielen Dank an den Der Audio Verlag und NetGalley für das Rezensionsexemplar.