Fang einfach an!

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diebuchprüferin Avatar

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Seit ich vor drei Jahren endlich zu einem eigenen Garten kam, stehe ich ihm etwas ratlos gegenüber. Er ist verdammt groß und von der Vorbesitzerin (schon lange in Rente) so angelegt, dass man sich ziemlich viel drum kümmern muss. Ich träume von einem ganz anderen Garten: mit viel Natur für Insekten und Vögel; mit ein paar leckeren Ernte-Ecken und schönen Plätzchen hier und da; und mit ja nicht zu viel Arbeit, denn ich bin noch länger nicht in Rente.

Deshalb kam mir das Buch von Sandra Jägers gerade recht, die vorschlägt, statt auf arbeitsintensive Selbstversorgung auf Naschen zu setzen, der Wildnis da Raum zu lassen, wo man sich's leisten kann, und schlicht: entspannt zu bleiben und Fehler als Lernerfahrung zu verbuchen. Das gefällt mir schon mal gut. "Weniger Arbeit, mehr Genuss", wie eines der Kapitel heißt, würde ich mir am liebsten als Motto an den Zaun hängen.

Auch der Aufbau des Buches wirkt sinnvoll. Jägers stellt verschiedene Pflanzkonzepte vor, lässt einem die Wahl, ob man eher planlos oder streng strukturiert loslegt, und präsentiert dann die verschiedenen Kategorien von Gemüse über Obst bis zu Kräutern. Ich finde es besonders ansprechend, dass das gesamte Buch nicht nur dicht bebildert ist, sondern auch überall Sandras Hinweise und kleine Zusammenfassungen auftauchen - z.B. als Kasten mit "Sandras Tipp" oder als herausgehobene Aufzählung wichtiger Arbeiten. Dazwischen geht sie mitten im allgemeinen Thema auch immer wieder auf Details ein, ob das nun bestimmte Pflanzen sind wie Erdbeeren, ungeliebte tierische Gäste oder bestimmte Anbaumethoden (à la Wie bau ich mir einen Kräuterturm). Auch Leute mit winzigen Gärten oder Balkons werden nicht vergessen, dazu gibt es ein ganzes Kapitel zu verschiedenen Wässerungsmethoden. Ihre Lieblingssorten aus sämtlichen Kategorien und ein kleiner Gartenkalender mit den zentralen Saison-Arbeiten runden das Buch thematisch ab.

Mich hat an diesem Buch nicht nur Sandras persönlicher und umweltfreundlicher Ansatz begeistert, auch die immer wieder eingestreuten Rezepte stören mich keineswegs. Natürlich hab ich schon so manches Gartenbuch gelesen, aber das hier zählt definitiv zu den appetitlichsten - und das liegt nicht allein an seinem Sujet. Sondern auch an der gesamten optischen Umsetzung. Die bereits erwähnten Fotos finde ich wirklich super schön und deutlich, inspirierend und praxisbezogen, und die übersichtliche Gliederung des Buchs durch verschiedene Farben für jedes Kapitel vermittelt Frische und Umsetzbarkeit.

Damit ist natürlich ein Punkt angesprochen, den ich jetzt im Februar noch nicht wirklich beurteilen kann: Wie umsetzbar ist dieses Buch? Ist es nur schön und fröhlich - oder auch nützlich so ganz in echt? Werden mir die Infos und Tipps tatsächlich helfen, und können sie zu meinem Gartenglück beitragen? Das wird sich weisen.
Schon jetzt aber kann ich sagen, dass dieses Buch zu studieren Spaß und Wissen bringt, Lust macht aufs Loslegen, so manches im Kopf zurechtrückt und von mir definitiv immer wieder zu Rate gezogen werden wird.
Daher empfiehlt die Buchprüferin allen, die relaxt, neugierig und genießerisch anfangen möchten zu gärtnern: Lesen!