Nicht anfassen

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kitzelkatze Avatar

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Matilde Tacchinis Bilderbuch lebt von einer wunderbar einfachen Prämisse: Ein roter Knopf taucht mitten im Wald auf – niemand weiß, woher, niemand weiß, wie lange schon. Und die Waldtiere reagieren, wie Menschen eben reagieren, wenn plötzlich etwas Unerklärliches vor ihnen liegt.
Was mich sofort für sich einnimmt, ist der Minimalismus der Inszenierung: eine einzige Bodenlinie, viel Weißraum, wenige Farbakzente – der rote Knopf sticht dadurch umso deutlicher hervor. Die Tiere (Hase, Fuchs, Bär, Fasan, Eichhörnchen, Regenwurm) sind mit wenigen Strichen charakterisiert, aber jedes bekommt eine eigene kleine Stimme im Dialog.
Der Text selbst ist herrlich ökonomisch: kurze, oft nur zeilenlange Wortwechsel, die den typischen Gruppendynamik-Reflex einfangen – die einen wollen drücken ("Man hat total Lust, da draufzudrücken!"), die anderen warnen ("Er könnte eine Katastrophe auslösen!"). Diese Polarität zwischen Neugier und Vorsicht trägt das ganze Buch und wirkt gleichzeitig kindgerecht und klug – man erkennt sofort das Muster aus dem echten Leben, ganz ohne erhobenen Zeigefinger.
Sprachlich fällt die Übersetzung von Amelie Thoma angenehm leicht und rhythmisch auf, mit kleinen Wiederholungen ("Vielleicht seit einer Stunde, vielleicht seit einem Tag, vielleicht schon immer"), die fast wie ein Refrain funktionieren.
Insgesamt: ein humorvolles, klug reduziertes Buch über Mut, Neugier und die Frage, ob man Dinge einfach mal ausprobiert – mit viel Potenzial für Vorlesespaß und Gesprächsanlässe danach ("Was hättest du gemacht?").