leise Liebe und eine warme Atmosphäre

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nancy0705 Avatar

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In "Picking Daisies on Sundays" von Liana Cincotti geht es um Daniella „Daisy“ Maria, die ihrem ehemaligen besten Freund Levi nach vier Jahren plötzlich wieder gegenübersteht und ausgerechnet seine Fake-Freundin für die Hochzeit seiner Schwester spielen soll. Früher war Levi der wichtigste Mensch in ihrem Leben, bis Daisy ihm ihre Gefühle gestand und kurz darauf mitansehen musste, wie er eine andere küsste. Seitdem hat sie nie wirklich mit ihm abgeschlossen. Während sie gemeinsam Zeit verbringen, kommen alte Gefühle, Sehnsucht und die tiefe Verbindung zwischen ihnen stärker zurück als je zuvor. Gleichzeitig kämpft Daisy mit Zukunftsängsten, Unsicherheit und der Frage, ob sie bereit ist, Levi noch einmal ihr Herz anzuvertrauen, obwohl sie Angst hat, erneut verletzt zu werden.

"Picking Daisies on Sundays" war für mich eines dieser Bücher, die gar nicht versuchen, laut oder extrem dramatisch zu sein, sondern stattdessen mit einer ganz leisen, warmen und gemütlichen Atmosphäre überzeugen. Es ist keine Geschichte voller riesiger Plot-Twists oder emotionaler Explosionen, sondern vielmehr eine Romance, die von kleinen Gesten, unausgesprochenen Gefühlen und dieser stillen, unterschwelligen Liebe lebt, die man zwischen den Seiten ständig spürt.

Der Schreibstil von Liana Cincotti trägt unglaublich viel dazu bei. Er ist leicht, flüssig und emotional, ohne zu viel Kitsch oder überdramatisch zu wirken. Die Autorin beschreibt Gefühle eher leise und zurückhaltend, aber genau dadurch haben viele Szenen eine große Wirkung. Besonders die Momente zwischen Daisy und Levi haben sich oft nicht durch große Worte stark angefühlt, sondern durch Blicke, kleine Berührungen oder Erinnerungen an ihre gemeinsame Vergangenheit. Diese stille gegenseitige Anziehung war für mich wirklich das Herzstück des Buches.

Man merkt zwar von Anfang an, wohin die Geschichte führen wird, und auch die Wendung am Ende war für mich keine wirkliche Überraschung. Trotzdem hat mich das überhaupt nicht gestört, weil das Buch gar nicht von Spannung im klassischen Sinne lebt. Vielmehr geht es um das Gefühl, das die Geschichte vermittelt. Dieses tiefe Band zwischen Daisy und Levi war so greifbar, dass man eigentlich die ganze Zeit das Gefühl hatte, dass die beiden einfach füreinander bestimmt sind. Selbst nach vier Jahren ohne Kontakt wirken sie emotional immer noch miteinander verbunden. Gerade diese Vertrautheit zwischen ihnen fand ich unglaublich schön dargestellt. Ihre Beziehung basiert nicht nur auf romantischer Anziehung, sondern auf echter Freundschaft, gemeinsamen Erinnerungen und Vertrauen.

Daisy fand ich dabei als Protagonistin sehr authentisch, auch wenn sie mich manchmal wahnsinnig gemacht hat. Ihre Unsicherheit zieht sich durch das ganze Buch, sowohl im Hinblick auf ihre Zukunft als auch auf ihr eigenes Können und ihren Selbstwert. Oft hätte ich sie am liebsten geschüttelt, weil für mich als Leser vieles so offensichtlich war, besonders Levis Gefühle. Teilweise konnte ich wirklich nicht verstehen, wie sie gewisse Dinge nicht sehen konnte. Gleichzeitig passte das aber wiederum sehr gut zu ihrem Charakter, weil ihre Selbstzweifel eben so tief sitzen, dass sie automatisch davon ausgeht, nicht „genug“ zu sein. Auch ihre Naivität gegenüber Evan fand ich manchmal etwas frustrierend. Da waren einige Situationen, bei denen man als Leser*in sofort gemerkt hat, dass etwas nicht stimmt, während Daisy vieles ausgeblendet oder schöngeredet hat. Trotzdem mochte ich ihre Entwicklung am Ende wirklich sehr. Gerade weil sie anfangs so unsicher war, hat es sich umso schöner angefühlt zu sehen, wie sie langsam beginnt, mehr an sich selbst zu glauben und für sich einzustehen.

Levi war dagegen wirklich ein absoluter Wohlfühl-Bookboyfriend. Ich mochte besonders, dass er eben nicht dieser typische toxische oder übermäßig dominante Romance-Held ist. Stattdessen ist er warmherzig, loyal und emotional unglaublich aufmerksam. Er unterstützt Daisy auf eine sehr ehrliche Weise und gibt ihr Sicherheit, ohne sie kontrollieren zu wollen. Gleichzeitig merkt man auch, wie wichtig ihm seine Familie ist und wie sehr er für die Menschen da ist, die er liebt. Gerade diese ruhige Loyalität hat ihn für mich unglaublich sympathisch gemacht. Allerdings muss ich auch sagen, dass er stellenweise fast ein bisschen zu perfekt wirkte. Ihm haben manchmal kleine Ecken und Kanten gefehlt.

Was mir ebenfalls gefallen hat, war, dass die Geschichte trotz der eher ruhigen Handlung emotionale Themen anspricht, die sich für die Charaktere sehr relevant anfühlen. Zukunftsängste, Selbstzweifel, das Gefühl nicht gut genug zu sein oder Angst davor zu haben, verletzt zu werden. Dadurch hatte das Buch trotz der eher sanften Atmosphäre trotzdem emotionale Tiefe.
Gleichzeitig wurden manche Konflikte für meinen Geschmack etwas zu schnell gelöst. Besonders der Konflikt rund um Evan hätte meiner Meinung nach noch etwas mehr Raum bekommen können, weil er letztlich relativ unkompliziert abgehandelt wurde.

Fazit

Insgesamt war "Picking Daisies on Sundays" von Liana Cincotti für mich eine unglaublich süße, warme und gefühlvolle Romance-Geschichte, die vor allem durch ihre Atmosphäre und die Verbindung zwischen den Charakteren lebt. Das Buch erfindet das Genre definitiv nicht neu und vieles ist vorhersehbar, aber genau darin liegt auch irgendwo sein Charme.