Mit Autisten leben

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wolfram Avatar

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Das Cover hätte mich beinahe davon abgehalten, die Leseprobe zu lesen.

Das Thema Autismus ist seit "Buntschatten und Fledermäuse" oder "Elf ist freundlich und Fünf ist laut" in der Gesellschaft angekommen - und wichtiger denn je.

Keine Behinderung, nur eine andere Sichtweise auf die Welt - und oft verbunden mit fantastischen Fähigkeiten.

Das Cover lässt eher ein anderes Genre vermuten, vielleicht einen Generationenroman, Selbstfindungsgeschichte oder ähnliches.

Der Klappentext machte mich jedoch sofort neugierig. Die erste Seite zum Verlieben:
Mutter Pina bereitet die Morgenroutine vor. Ihr Sohn "konnte aufstehen, weil die grüne Blase in der Lavalampe aufgestiegen ist". Absolutes Verständnis, bedingungslose Mutterliebe. Leo, ein Rockstar.

Herrlich, wie Leos "Phasen" beschrieben werden. Himbeerphase, Ravioliphase... Oft eine große Herausforderung für die Mutter, die aber "gut darin ist, Dinge zu tun, die getan werden müssen". Auch hier - sie akzeptiert Leos Eigenheiten und macht sie mit, weil es eh nicht anders geht.

Neben ihrer anstrengenden Arbeit zehrt natürlich auch der Umgang mit einem autistischen Jungen an Pina. Das spürt man im Buch, doch sie beklagt sich nicht. Eine durch und durch sympathische Protagonistin.
Diese Details machen das Buch zu einem puren Genuss - so ernst die Themen auch manchmal sind, denn hier werden einige menschliche Schicksale beschrieben - vom ketterauchenden, übellaunigen Harry, der Leo jeden Tag fährt, die Vermietertochter, die gerade eine schwierige Phase durchmacht...

Ich freue mich auf den Rest des Buches!