Wenn der Alltag Risse bekommt

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noiram Avatar

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Die Leseprobe hat mich von der ersten Seite an neugierig gemacht, weil sie so mitten aus dem Leben gegriffen wirkt. Im Mittelpunkt steht Inge, eine ältere Frau, die ihren Alltag sehr routiniert bestreitet. Die Szene, in der sie ihre „Heiße Tasse“ umrührt und sich über matschige Croutons Gedanken macht, ist so detailreich beschrieben, dass man die Situation förmlich miterlebt.
​Der Schreibstil von Vera Zischke gefällt mir gut, weil er ohne große Schnörkel auskommt, aber trotzdem sehr tiefgründig ist. Besonders bewegend fand ich Inges Gedanken über das Älterwerden und den Verlust ihrer Liebsten. Sie fragt sich, warum ausgerechnet sie als Letzte übrig geblieben ist, obwohl sie doch eigentlich schon „alles erledigt“ hat. Das ist ein sehr ernstes Thema, das hier aber ganz unaufgeregt und ehrlich behandelt wird.
​Auch der Humor kommt nicht zu kurz, etwa wenn Inge die Horoskope in ihrer Zeitschrift liest – zuerst das ihres verstorbenen Mannes Helmut und dann ihr eigenes. Dass sie nicht an „große Geheimnisse“ glaubt, sondern eher skeptisch auf die Welt blickt, macht sie für mich zu einer sehr authentischen und sympathischen Hauptfigur.
​Das Buch scheint eine Geschichte über das Sichtbarbleiben im Alter zu sein und darüber, wie man mit den kleinen und großen Herausforderungen des Alltags umgeht. Die Leseprobe endet mit einem Moment der Reflexion, der mich sehr nachdenklich gestimmt hat. Ich würde gerne wissen, wie Inge ihren Tag weiter gestaltet und was hinter dem Titel „Pina fällt aus“ eigentlich steckt.