Aus Not wird Tugend

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emmmbeee Avatar

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Im Klappentext steht, dass die Autorin einen autistischen Sohn hat, und auch Leo, der Sohn der Protagonistin Pina, ist einer. Aus eigener Erfahrung und Anschauung ist dieser Roman entstanden und wirkt deshalb auch so wahr.
Was ist, wenn die einzige Person, die einen Autisten versteht und mit ihm umgehen kann, durch eine Krankheit, einen Unfall oder ein anderes Vorkommnis ausfällt? Auf sich allein gestellt kann Leo seinen Alltag nicht bewältigen. Er braucht zumindest die Menschen, die um ihn herum leben und die er ein wenig kennt, die ihm zumindest vertraut sind. Doch diese sind hilflos, denn bisher interessierten sie sich keinen Deut für seine Behinderung. Und schon gar nicht wollen sie aus ihrer (ohnehin eher kleinen) Komfortzone heraustreten. Doch nun ist es notwendig geworden, dass sie einfach handeln müssen.
Vera Zischke ist es durch die Darstellung der Krankheit Autismus gelungen, dass der Leser sich für sie und die Betroffenen zu interessieren beginnt und von der Lektüre zutiefst berührt wird. Die Autorin schildert, wie die Hausgemeinschaft sich aufrappelt, zuerst hilflos reagiert und schließlich gemeinsam herausfindet, was nun zu tun ist. Besonders schön fand ich, wie Leos Charme nach und nach die Mitbewohner für sich einnahm und der neuen Situation einen gewissen Glanz und viel Freude verlieh. Das Zusammenfinden der Hausgruppe macht schließlich aus der Not eine Tugend: Gemeinsamkeit, Inklusion.
Die thematische Schwere wird durch einen leichten Ton im Schreibstil gemildert, ohne die Tragik des großen und leider ziemlich allgemeinen Unverständnisses in der Gesellschaft zu nehmen. Die Spannung baut sich schon ziemlich schnell auf. Mir gefiel, wie die Personen gezeichnet sind und wie schnell ich mitten in der Geschichte war.
Das Thema Inklusion ist nicht erst in letzter Zeit so aktuell. Es ist vor allem auch höchste Zeit, dass wir uns vermehrt damit auseinandersetzen. Inklusion nützt gar nichts, wenn sie nicht gelebt wird. Und keiner von uns sollte vergessen, dass wir alle in irgendeiner Form eigen sind. Denn was ist schon „normal“?