Berührend

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evelynp. Avatar

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Pina fällt aus hat mich so gefesselt, dass ich es innerhalb eines morgens komplett weggelesen habe.

Wir begleiten die Bewohner:innen eines Vier-Familienhauses in ihrem Prozess von Nebeneinander leben zum Miteinanderleben.

Das Cover mit der weiblich gelesenen Person in einer Badewanne verstehe ich nicht, sieht aber hübsch aus.

Im Zentrum der Geschichte steht die alleinerziehende Pina mit ihrem Sohn Leo. Das Leben mit Leo hat sie dabei genaustens geplant, da er bei ungewohnten Abläufen klemmt wie ein Automat der die gewünschten Süßigkeiten kurz vor Auslass nicht hergibt. Sie kennt ihn dabei so gut, dass sie ihm für solche Fälle verschiedene Regulationsmechanismen anbieten kann.
Zu Beginn der Geschichte haben die beiden nur mit der älteren einsamen Nachbarin Inge Kontakt,die nicht mehr die Wohnung verlässt. Die Tochter des Vermieters taucht nur als Störerin der Abläufe auf und der alleinstehende Nachbar tritt kaum in Erscheinung.
Als eines nachmittags Pina nicht mehr zurückkehrt, während Leo gerade bei Inge ist, erarbeiten sich die die Hausebwohner:innen ein Konzept mit der Situation umzugehen. In dieser Zeit liegt Pina im Krankenhaus.

Es tut gut zu sehen, wie die Welt funktionieren kann, wenn Menschen aufeinander achten. Was Menschen mit Behinderung ermöglicht werden kann, wenn liebevolle Menschen ihnen die Möglichkeit geben eigene Wünsche zu äußern und diese auch ermöglichen.
Immer wieder klingt die generelle Systemkritik durch: Natürlich die steigende Anonymität in Nachbarschaften, Inklusion aber auch das Werkstattsystem, Heimsystem, Antragssystem insbesondere für Hilfen, Kliniksystem werden hier kritisch betrachtet. Gleichzeitig wird deutlich herausgestellt, dass wir in einer Zeit leben, in der es den meisten Menschen mit ihren vielfältigen Problemen schwer fällt, sich Hilfe im näheren Umfeld zu suchen und diese auch anzunehmen.

Ich fand dieses Buch wirklich lesenswert und für ein gesellschaftliches Umdenken über das Miteinander erstrebenswert.