Bewegend!

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rosecutsbuds Avatar

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Was soll ich sagen? Ein absolut gutes und zeitgemäßes Buch, dass mich tief bewegt hat. Auch mit ihrem zweiten Buch schafft es Vera Zischke mich in ihren Bann zu holen. Sie besitzt eine fantastische Gabe Figuren und Themen so eindrucksvoll zu beschreiben, dass ich mich als Teil der Geschichte gefühlt habe.
Dabei geht es in ihrem neuen Roman um Pina und ihren Sohn Leo, der geistig beeinträchtigt ist. Zischke zeichnet hier eine über ihre eigenen Grenzen und Kräfte gehende Mutter, die ihrem Sohn ein würdiges und normales Leben, fernab von einer Verwahrung im Heim bieten möchte.
Es kommt, wie es kommen muss - „Pina fällt aus“ - und ist nicht mehr imstande sich ihres Sohnes anzunehmen.
Notgedrungen und anfangs sehr widerspenstig kümmert sich nun der Rest der Mietsbewohner um Leo und die Geschichte nimmt ihren Lauf. Eine Geschichte, die hinterfragt, was eigentlich „normal“ ist und ob Neurodiversität nicht eigentlich Grundlage allem ist. „Vielleicht sollten wir darüber nachdenken, ob es nicht vielmehr ein Spektrum des Menschsein gibt, auf dem sich alle irgendwie bewegen, nur eben jeder an einer anderen Stelle.“ (Zischke, S. 127)
Themen von Ausgrenzung, Zusammenhalt, Generationenkonflikte und der Blick auf scheinbar nicht-sichtbare Personen unserer Gesellschaft und wie wir mit ihnen umgehen, werden so gefühlvoll und nachdrücklich miteinander verbunden, so dass dies ein Roman ist, der lange nachhallt. „Behindert ist nicht die kaputte Version von normal […]“ (Zischke, S. 204f.)