Ein Plädoyer für mehr Miteinander

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cynthiam Avatar

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Wie gut kennen wir unsere Mitmenschen, unsere Nachbarn und die Leute, denen wir tagtäglich über den Weg laufen? Was wissen wir über ihr Leben, ihre Sorgen und Nöte? Und genau darum geht es in diesem Buch. Pina ist eine Einzelkämpferin, zieht alleine ihren Sohn Leo groß, hilft ihrer betagten Nachbarin, muss funktionieren und hat selten Zeit für sich. Bis ihr Körper sie dazu zwingt und die Frage bleibt: was nun?

Die Geschichte zeigt wunderbar auf, wo in unserer Gesellschaft ein strukturelles Problem und soziale Kälte herrscht. Denn wer springt denn ein, wenn man den plötzlich nicht mehr funktioniert? Pinas Nachbarn werden hier eher unfreiwillig zu ihrer Task Force, ihrer Rückendeckung und übernehmen Verantwortung für das wichtigste in Pinas Leben: ihren Sohn Leo.

Aus der Situation heraus ergeben sich ein paar amüsante und unterhaltsame Momente und in der Interaktion mit Leo, wachsen auch die Hausbewohner nicht nur zusammen, sondern jeder für sich auch über sich hinaus. Beim Lesen habe ich immer zwischen heimlicher Freude über die Entwicklung der Figuren und Fassungslosigkeit über das System selbst geschwankt. Das Buch legt da echt den Finger in die Wunde. Aber genau damit regt es auch zum Nachdenken an.

Das Buch ist toll geschrieben und die Figuren vielschichtig, aber greifbar angelegt. Das Szenario wirkt traurigerweise sehr authentisch, macht betroffen und bewahrt sich aber gleichzeitig einen sehr positiven Unterton, der Themen wie Solidarität, Integration und Menschlichkeit einfordert.
Fands klasse.