Eine unbedingte Empfehlung voller Herzenswärme und Ernsthaftigkeit
Vera Zischkes Debüt hat mir schon außerordentlich gut gefallen und auch in ihrem zweiten Werk setzt die Autorin wieder auf eine Perspektive, die bislang viel zu selten eingenommen wird. Ich war begeistert von der Warmherzigkeit und Authentizität der Erzählung!
Ich habe beim Lesen immer wieder Parallelen zu „Der Bademeister ohne Himmel“ gesehen, wo ebenso eine schicksalhafte Gemeinschaft thematisiert wird, nur dass es da um das Thema Demenz geht und Zischke hier den schwer autistischen Leo ins Zentrum ihrer Geschichte setzt. Die Parallelen könnten positiver nicht sein, denn beide Werke sind ganz klare Highlights für mich. Sie eint eine Warmherzigkeit und Solidarität unter den Figuren, die mir beim Lesen unendlich viel Hoffnung gegeben haben, dass die Welt doch ein guter Ort sein kann.
Zischke nimmt auch in ihrem zweiten Roman eine Perspektive ein, zu der sie eine persönliche Nähe hat - und das zahlt sich absolut aus. Aus der Erzählerin spricht ebenso viel Wärme wie deutlicher Ernst - etwa in Bezug auf die Abwertung behinderten oder neurodivergenten Lebens und die kräftezehrende Lebensrealität einer alleinerziehenden, pflegenden Mutter. Indem die Autorin die Hauptpflegerin vorübergehend und ersatzlos aus der Geschichte streicht, wird die unbezahlte Arbeit überdeutlich.
Solidarische Momente in Büchern sind für mich etwas ganz Besonderes und ja, vielleicht läuft es manchmal ein bisschen zu glatt - aber wofür haben wir denn bitte Literatur, wenn nicht zum Erdenken einer besseren Welt?! Die zentralen Figuren sind fein herausgearbeitet und angenehm divers. Obwohl sie sich im Alter stark unterscheiden, eint sie alle eine gewissen Einsamkeit, die durch das gemeinschaftliche, solidarische Sorgen für Leo gelindert werden kann. Ich hätte sie zwar auch gern noch tiefer kennengelernt, fand es aber in Abwägung der Romanlänge absolut ausreichend.
Ich kann gar nicht genug betonen, wie großartig ich Zischkes Aussagen im Buch finde. An keiner Stelle gibt es den ernsthaften Anspruch, Leo an die Gesellschaft anpassen zu müssen. Stattdessen schreibt sie Sätze wie: „Behindert ist nicht die kaputte Version von normal […] Leo ist Teil dieser Welt wie alle anderen auch. Ich will nicht, dass er versorgt ist. Ich will, dass er dazugehört.“
Und viel mehr will ich dazu auch eigentlich gar nicht sagen. Ich habe selten eine derart starke literarische Stimme gelesen, welche sich so unnachgiebig menschlich für eine Gruppe einsetzt, die zu den marginalisiertesten unserer Gesellschaft gehört. Diese Geschichte liest sich fast schon zu schnell für den Genuss, den ich mit ihr hatte. Sie ist warmherzig und ehrlich und genau damit das, was wir alle brauchen.
Ich habe beim Lesen immer wieder Parallelen zu „Der Bademeister ohne Himmel“ gesehen, wo ebenso eine schicksalhafte Gemeinschaft thematisiert wird, nur dass es da um das Thema Demenz geht und Zischke hier den schwer autistischen Leo ins Zentrum ihrer Geschichte setzt. Die Parallelen könnten positiver nicht sein, denn beide Werke sind ganz klare Highlights für mich. Sie eint eine Warmherzigkeit und Solidarität unter den Figuren, die mir beim Lesen unendlich viel Hoffnung gegeben haben, dass die Welt doch ein guter Ort sein kann.
Zischke nimmt auch in ihrem zweiten Roman eine Perspektive ein, zu der sie eine persönliche Nähe hat - und das zahlt sich absolut aus. Aus der Erzählerin spricht ebenso viel Wärme wie deutlicher Ernst - etwa in Bezug auf die Abwertung behinderten oder neurodivergenten Lebens und die kräftezehrende Lebensrealität einer alleinerziehenden, pflegenden Mutter. Indem die Autorin die Hauptpflegerin vorübergehend und ersatzlos aus der Geschichte streicht, wird die unbezahlte Arbeit überdeutlich.
Solidarische Momente in Büchern sind für mich etwas ganz Besonderes und ja, vielleicht läuft es manchmal ein bisschen zu glatt - aber wofür haben wir denn bitte Literatur, wenn nicht zum Erdenken einer besseren Welt?! Die zentralen Figuren sind fein herausgearbeitet und angenehm divers. Obwohl sie sich im Alter stark unterscheiden, eint sie alle eine gewissen Einsamkeit, die durch das gemeinschaftliche, solidarische Sorgen für Leo gelindert werden kann. Ich hätte sie zwar auch gern noch tiefer kennengelernt, fand es aber in Abwägung der Romanlänge absolut ausreichend.
Ich kann gar nicht genug betonen, wie großartig ich Zischkes Aussagen im Buch finde. An keiner Stelle gibt es den ernsthaften Anspruch, Leo an die Gesellschaft anpassen zu müssen. Stattdessen schreibt sie Sätze wie: „Behindert ist nicht die kaputte Version von normal […] Leo ist Teil dieser Welt wie alle anderen auch. Ich will nicht, dass er versorgt ist. Ich will, dass er dazugehört.“
Und viel mehr will ich dazu auch eigentlich gar nicht sagen. Ich habe selten eine derart starke literarische Stimme gelesen, welche sich so unnachgiebig menschlich für eine Gruppe einsetzt, die zu den marginalisiertesten unserer Gesellschaft gehört. Diese Geschichte liest sich fast schon zu schnell für den Genuss, den ich mit ihr hatte. Sie ist warmherzig und ehrlich und genau damit das, was wir alle brauchen.