Ich bin Busfahrer

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wal.li Avatar

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Seit ihr Sohn Leo auf der Welt ist, setzt Pina sich für ihn ein. Bald nach der Geburt war zu merken, Leo funktioniert nicht so. Leo ist anders. Seit zwanzig Jahren gehört jeder Gedanke Pinas der Sorge um Leo. In letzter Zeit allerdings fühlt sich Pina nicht so. Es geht ihr alles schwer von der Hand. Das Ignorieren funktioniert nicht so wie sonst. Und dann bricht sie mitten auf der Straße zusammen, kommt ins Krankenhaus und muss notoperiert werden. Pina fällt aus und sie kann sich nicht äußern. Wie soll Leo das überstehen? Die über achtzigjährige Inge, bei der Leo manchmal ein paar Stunden verbringt, merkt natürlich, dass Pina nicht kommt, um Leo abzuholen.

Und manchmal funktioniert Nachbarschaft doch, möchte man hoffen. Obwohl Inge in ihrem Alter nicht mehr so fit ist, kümmert sie sich erstmal. So einfach ist das nicht, denn Leo braucht seine Rituale, um einigermaßen zur Ruhe zu kommen. Zur Hilfe kommen Zola und Wojtek, die auch im Haus wohnen. Wojtek wirkt auch wie ein Eigenbrötler, der zum Glück einfacher kommunizieren kann als Leo. Zola dagegen ist eher aufbrausend. Sie ist erst Sechszehn und ihr Vater hat sie rausgeschmissen und sie eben in einer seiner Müllwohnungen untergebracht. Wenn Zola etwas hat ist es Zeit, um das Rätsel Leo zu entschlüsseln.

Hier wird aus einem Haus mit Wohnungen, deren Bewohner sich kaum kennen, beinahe eine Wohngemeinschaft. Als Pina zusammenbricht, befürchtet man, dass Leo untergeht. Wie soll er zum Bus kommen? Bekommt er was zu Essen? Wie soll man ihm erklären, dass die Mutsch nicht da ist? Wunderbar, wie sich die Nachbarn zusammenraufen. Sie ergänzen sich und versuchen Leos Alltag so zu organisieren, dass er möglichst wenig merkt, dass eigentlich nichts so ist wie es war. Inge ist froh, gebraucht zu werden. Zola ist froh, dass sie endlich mal was richtig macht. Wojtek muss ab und zu mal vor die Tür und das ist auch nicht verkehrt. Nicht nur Leo lernen sie besser kennen, auch untereinander wachsen sie mehr zusammen. Dieser Roman macht echt Hoffnung, dass noch nicht alles verloren ist. Auch wenn es mit Leo schwierig ist, keiner gibt auf und sie halten zusammen. Schön.

Man gönnt Pina die Ruhe, die sie auf dem Titelbild ausstrahlt.

4,5 Sterne