Leise, eindringlich und wunderschön

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anja_steinvorth Avatar

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„Weißt du, wie schwer es ist, ein Kind wie Leo vor dem Verschwinden zu bewahren?“
Diesen Satz sagt Pina zu ihrem Vater über ihren Sohn Leo und er hat mich mitten ins Herz getroffen und tief bewegt. Noch lange nach dem Lesen musste ich immer wieder an ihn denken.

Mitten auf einer Kreuzung bricht Pina zusammen. Pina, deren 20-jähriger autistischer Sohn Leo zuhause auf sie wartet. Leo lebt nach festen Strukturen, die nicht ins Wanken geraten dürfen. Er kann morgens erst dann aus dem Bett aufstehen, wenn in der Lavalampe eine grüne Blase aufsteigt. Zum Frühstück gibt es ausschließlich Frosties, Schüssel und Löffel müssen exakt richtig platziert sein. Beim Treppensteigen geht es zwei Stufen vorwärts und eine zurück. Pina kennt all diese Abläufe, sie versteht Leo und sie trägt die Verantwortung für seine Welt.

Doch nun fällt Pina aus.

Zurück bleiben die Nachbarn im gemeinsamen Mehrfamilienhaus, die plötzlich und völlig unvorbereitet Verantwortung für Leo übernehmen müssen: die 16-jährige Schulabbrecherin Zola, die lebensmüde Seniorin Inge und der verschlossene Wojtek. Anfangs wirken sie hilflos und überfordert, doch nach und nach wachsen sie an dieser Aufgabe. Gemeinsam lernen sie, Leo zu verstehen und dabei auch sich selbst und einander neu kennenzulernen und zu schätzen.

Vera Zischke hat Figuren erschaffen, die sich zutiefst echt anfühlen. Menschen mit Brüchen, Unsicherheiten und Sehnsüchten. Menschen, die ihren Platz im Leben verloren haben oder nie wirklich finden konnten. Und gerade deshalb habe ich sie alle so sehr ins Herz geschlossen.

Vor allem aber sind da Pina und Leo, die dieses Buch tragen und ihm seine enorme Kraft verleihen. Pina ist eine Mutter mit Löwenherz, die unermüdlich dafür kämpft, dass ihr Sohn nicht „verschwindet“ — nicht übersehen, abgeschoben oder ausgeschlossen wird. Und während sie alles für Leo gibt, verliert sie sich selbst immer mehr aus dem Blick.

In leisen, eindringlichen und unglaublich berührenden Worten erzählt Vera Zischke eine Geschichte, die unsere Gesellschaft dringend braucht. Eine Geschichte über Neurodivergenz, Pflege und Aufopferung, aber auch über Mitgefühl, Menschlichkeit und darüber, wie wichtig es ist, einander wirklich zu sehen. Dieses Buch klärt nicht nur auf, sondern öffnet Herzen. Es zeigt, wie viel möglich wird, wenn Menschen anfangen, füreinander einzustehen.

Für mich war „Pina fällt aus“ ein ganz besonderes Buch und eines, das lange nachhallt und das ich so schnell nicht vergessen werde.

Fazit: Eine kleine Kostbarkeit voller Menschenliebe, Wärme und Hoffnung. Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass die Leos dieser Welt nicht verschwinden und dass die Pinas dieser Welt die Unterstützung und Entlastung bekommen, die sie so dringend brauchen.