Leo, 20, Busfahrer

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birdies_buecherwelt Avatar

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Pina Luxen lebt für ihren Sohn Leo. Er ist 20 Jahre alt, autistisch und braucht feste Routinen. Pina weiß genau, was zu tun ist, damit sein Alltag funktioniert und stellt dabei ihr eigenes Leben komplett hinten an. Doch dann fällt Pina plötzlich aus und Leo bleibt zurück in einer Welt, die ohne sie nicht mehr funktioniert.
Ich wusste nicht so genau, was mich bei diesem Buch erwartet. Dass es mich so sehr berühren würde, hätte ich aber nicht gedacht. Während Pina auf der Intensivstation liegt, beginnen die Hausbewohner der Hansastraße 22, sich um Leo zu kümmern. Irgendwie müssen sie es versuchen. Inge, 86, die ihre Wohnung seit Jahren nicht mehr verlässt. Zola, 16, die von ihrem Vater hier einquartiert wurde, nicht mehr zur Schule geht und gegen alles und jeden ist. Und Wojtek, der den Kontakt zu anderen Menschen am liebsten komplett meidet. Dieser bunte Haufen soll nun also dafür sorgen, dass Leos Alltag weiterläuft und das wirkt stellenweise wirklich wie Raketenwissenschaft. Denn Leo hat seine ganz eigenen Abläufe. Er steht erst auf, wenn in seiner Lavalampe eine grüne Blase aufsteigt, isst nur Frosties und geht dann die Treppe hinunter. Zwei Stufen vor, eine zurück. Dann wartet der Bus mit Harry, dem Busfahrer, und bringt ihn in die Behinderten-Werkstatt. Jede Abweichung bringt seine Welt ins Wanken. Nur der Kühlschrank, in dem immer Licht brennt, ist immer für Leo da.
Es ist so berührend, so bedrückend, so herzlich und gleichzeitig so unglaublich menschlich. Zu sehen, wie diese völlig unterschiedlichen Menschen sich langsam annähern, über sich hinauswachsen und versuchen, Leo irgendwie gerecht zu werden, hat mich wirklich bewegt.
Der Schreibstil ist dabei angenehm leicht und lässt sich trotz der schweren Themen sehr gut lesen. Von mir gibt es eine ganz große Leseempfehlung.