Pina Luxen ist ein Final Girl

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
readaholic Avatar

Von

Pina ist alleinerziehende Mutter eines autistischen Sohns, Leo. Ihre Tage sind streng durchgetaktet. Für Leo ist es wichtig, gewisse Rituale einzuhalten. Wenn er morgens im Treppenhaus nach unten geht, macht er beispielweise immer zwei Schritte vorwärts und dann wieder einen zurück, egal, wie spät er dran ist. Sobald er im Bus zur Behindertenwerkstatt sitzt, hetzt Pina zu ihrem Job im Call Center. Seit längerer Zeit hat sie Magenschmerzen, die sie mit Tabletten bekämpft, doch eines Tages bricht sie mitten auf der Straße zusammen und landet mit Magendurchbruch auf der Intensivstation.
Der 20jährige Leo ist zu diesem Zeitpunkt in der Wohnung der 86jährigen Nachbarin Inge, für die Pina die Einkäufe erledigt. Als Pina nicht zurückkehrt, wird Inge panisch und auch Leo fragt ständig nach seiner Mutsch. Außer Inge wohnen im Haus in der Hansastraße noch Wojtek, ein dreißigjähriger schrulliger Einzelgänger, und die sechzehnjährige Schulabbrecherin Zola, die Tochter des Hausbesitzers, die sich eine Glatze rasiert hat und permanent wütend ist. Keiner von ihnen fühlt sich der Aufgabe gewachsen, sich um Leo zu kümmern, zumal sie auch keine Ahnung haben, was mit Pina passiert ist und wann sie zurückkommt.
„Pina fällt aus“ schildert, wie aus den Leuten, die bisher keinerlei Kontakt untereinander pflegten, nach und nach eine Gemeinschaft wird, die beginnt, Leos Besonderheiten zu verstehen und sich auf ihn als Mensch einzulassen und ihn nicht mehr nur als „Behinderten“ zu sehen. Doch es geht nicht nur um Leo und seinen Autismus, wir erfahren auch viel über das Leben von Inge, Wojtek und Zola, und sie wachsen einem allesamt ans Herz. Selbst für den unfreundlichen Busfahrer Harry, der immer nur für eine Zigarettenlänge vor dem Haus hält und wegfährt, wenn Leo es nicht schafft, während dieser Zeit den Bus zu erreichen, beginnt man irgendwann, ein bisschen Sympathie zu hegen. Zola, die zu Beginn keine Ahnung hatte, welche Mammutaufgabe die in ihren Augen arrogante Nachbarin Pina mit ihrem nervigen Sohn täglich zu stemmen hat, erkennt, dass Pina in Wirklichkeit ein „final girl“, eine Superheldin wie in ihren Computerspielen ist. Die Aufgabe, sich gemeinsam um Leo zu kümmern, wirkt sich positiv auf das Leben aller Hausbewohner aus. Ein äußerst berührender Roman, dem man anmerkt, dass die Autorin Vera Zischke sich bestens mit dem Thema Autismus auskennt. Unbedingte Leseempfehlung!