Plötzlich ist alles anders

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steffi kohl Avatar

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"Pina fällt aus" von Vera Zischke hält einen von der ersten Seite an regelrecht gefangen. Der Roman beginnt mit einer kurzen Einführung in den Alltag von Pina , die sich liebevoll um ihren autistischen Sohn Leo kümmert. Dann kommt der Moment, der alles verändert, denn plötzlich bricht Pina auf offener Straße zusammen, muss ins Krankenhaus und ihr Sohn bleibt allein zurück.
Diese ungewöhnliche Ausgangslage verarbeitet die Autorin in einer ruhigen , sehr leisen , aber eindringlichen Art. Für mich ist das eine der großen Stärken dieses Romans.
Die zweite Stärke zeigt sich in der nun eingeführten Personen; Menschen aus der nächsten Umgebung von Pina, die aber bisher eher wenig mit ihr und ihrem Sohn zu tun hatten. Diese Menschen sind eher mit sich selbst beschäftigt und verbindet kaum etwas. Nun sind sie aber gezwungen, Verantwortung für Leo zu übernehmen. Das tun sie zunächst eher widerstrebend und überfordert. Leo ist zwar schon 20 Jahre alt, aber alleine kann er nicht zurechtkommen. Er ist auf Hilfe angewiesen. Die Entwicklung zwischen ihnen ist beinahe liebevoll gezeichnet, die Überforderungen werden von der Autorin nicht negativ bewertet. Das macht die Geschichte so nahbar und glaubhaft.
Und dann , ganz allmählich , erwächst aus der Verantwortung das Gefühl gebraucht zu werden, gemeinsam stärker zu sein, einander Halt geben zu können.
Der Schreibstil ist in toller Weise klar und unaufgeregt . Die Worte sind wohl gewählt und voller Emotionen. Und immer wieder Sätze wie ; „Behindert ist nicht die kaputte Version von normal […]“ ,sehr nachdenklich machen.
Für mich ist das Buch auch eine Würdigung der immensen Carearbeit von Müttern und Vätern