Vera Zischke hat's einfach drauf

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
lisbethsalander Avatar

Von

Auf den neuen Roman "Pina fällt aus" von Vera Zischke war ich sehr gespannt! Nachdem ich ihr Vorgängerbuch "Ava liebt noch" geradezu verschlungen hatte, waren hier die Erwartungen entsprechend hoch, doch ich wurde nicht enttäuscht! Und was noch dazu kommt, und wodurch sich Vera Zischke nun tatsächlich als eine meiner Lieblingsautorinnen etabliert hat, die beiden Romane unterscheiden sich in ihrer Thematik komplett, und doch besticht jeder auf seine Art durch extrem hohe Qualität. Titelgebend steht in der aktuellen Geschichte Pina im Mittelpunkt, eine Frau mittleren Alters, die alleinerziehend mit ihrem 20jährigen Sohn Leo lebt. Hört sich zunächst einmal unspektakulär an, doch ist Leo nicht irgendein 20jähriger, sondern leidet unter starken kognitiven Einschränkungen, könnte quasi als Autist bezeichnet werden. Seine einzige wirkliche Bezugsperson ist also seine Mutter Pina, was sich für diese natürlich als stark belastende Verantwortung darstellt. Doch dann kommt es noch dicker, denn Pina, die offenbar eine schon länger schwelende eigene Erkrankung ignoriert, es wird in Nebensätzen erwähnt, dass sie dauerhaft Tabletten schluckt, bricht auf der Straße zusammen und landet auf der Intensivstation. Was wird nun aus Leo, der bisher augenscheinlich ohne seine Mutter in keiner Weise klar kam. Mutter und Sohn wohnen in einem Mietshaus mit mehreren anderen Menschen unterschiedlichsten Alters. All diese sind in der Vergangenheit aneinander vorbei gelaufen und hatten so gut wie nichts miteinander zu tun. Eine klitzekleine Ausnahme bildete die über 80jährige Inge, die einmal pro Woche für zwei Stunden Leo beaufsichtigte, wenn Pina einkaufen ging. Doch nun ist Leo von jetzt auf gleich auf sich allein gestellt. Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven der einzelnen Hausbewohner erzählt, so lernen wir diese nach und nach kennen. Und ob sie wollen oder nicht, sie müssen sich nun um Leo kümmern, denn ganz allein kommt dieser nicht klar, und dies erleben die anderen in der gegebenen Enge eines Mehrfamilienhauses. Dass wir nicht allein auf der Welt sind und durchaus eine Verantwortung für unsere Mitmenschen tragen zeigt Vera Zischke in ihrem Roman! Sie erzählt Pinas und Leos Geschichte in einem tollen Schreibstil, der einen komplett in die Handlung hinein zieht, so werden wir auch als Leser Teil von Leos Schicksal, dass keinen unberührt lassen kann. Auch die anderen Hausbewohner sind keinesfalls fehlerfrei und haben in irgendeiner Form ihr sogenanntes Päckchen zu tragen. Doch wenn man sich gegenseitig hilft und füreinander da ist, ist das alles nur noch halb so schwer. Das ist quasi die Message des Buches. Mich hat das Ganze sehr berührt, und selbstverständlich gibt es hier die volle Punktzahl und eine absolute Leseempfehlung! Diesen Roman sollte wirklich jeder lesen, ich halte ihn für sehr sehr wichtig, und schon jetzt bin ich in großer Vorfreude auf Neues aus der Feder dieser wunderbaren Autorin!