Von schrägen Vögeln und großen Herzen: Wenn Inklusion ein Zuhause wird

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Pina fällt aus. Oder zuerst einmal um und dann aus dem Leben ihres Sohnes. Das scheinbar Unausweichliche, das sich schon auf den ersten Seiten andeutet, tritt ein, und „Leo, 20, Hansastraße 22, will Busfahrer werden“, ist plötzlich auf sich allein gestellt.

Leo - Pinas Sohn - ist ein ganz besonderer Mensch, der sich sofort ins Herz der Lesenden schleicht. Zum Glück ist er nicht ganz allein: Inge, Wojtek und Zola, die im selben Haus leben, erkennen schnell, was er braucht. Mit viel Geduld, einer Lavalampe und dem einen oder anderen Trick im Alltag stehen sie ihm zur Seite, solange Pina „im Urlaub“ ist. Und auch als Lesende möchte ich am liebsten selbst vorbeischauen, Leo an die Hand nehmen und ihn ein Stück begleiten.

Man fiebert mit, wie Leo und sein Umfeld sich auf die neuen Umstände einstellen. Rund um ihn entsteht eine ebenso ungewöhnliche wie herzerwärmende Gemeinschaft. Diese Wohngemeinschaft lebt Inklusion auf eine ganz besondere Weise: Sie endet nicht bei Menschen mit Beeinträchtigung, sondern zeigt, dass jede Figur ihr eigenes Bedürfnis nach Zugehörigkeit mitbringt.

Ich bin begeistert von Zolas 180-Grad-Wende, fasziniert von Inges Geheimnissen und berührt von den philosophischen Gesprächen zwischen Wojtek und Jurika. Aber auch Harry, Sam, Tarek und Bernd - der nebenbei noch den Rock’n’Roll retten will - sind ebenso charmant wie authentisch gezeichnet. Vera Zischkes Schreibstil lädt auch in diesem wieder Buch dazu ein, weit über das Ende des Buches weiterlesen zu wollen.

Das Buch hat mir sehr gefallen und mich gleichzeitig nachdenklich gemacht. Ich denke an die 80-jährige Dame in unserem Haus, unsere eigene „Inge“. Ich denke an Freunde und Bekannte. Und ich frage mich, wo ich selbst vielleicht Inklusion übersehe, obwohl sie so naheliegend und bereichernd sein kann. Die drei „schrägen Vögel“ rund um Leo zeigen eindrucksvoll, wie Zusammenhalt über Generationen hinweg funktionieren kann. Nein: funktionieren muss.

Zwischen ernsten Momenten, vielen kleinen Lachern und ein paar Tränen zum Schluss hat mich dieses Buch durch ein breites Spektrum an Gefühlen getragen. Die Geschichte um Leo musste erzählt werden, um uns daran zu erinnern, dass es so viel mehr gibt als das eigene Leben und wie wertvoll eine Gemeinschaft sein kann, wenn man bereit ist, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen.

Von mir bekommt das Buch 5 von 5 Büchersternen.