Wenn Care-Arbeit geteilt wird
„Pina fällt aus“ von Vera Zischke ist im März 2026 im List Verlag erschienen. Ein Roman über Care-Arbeit, Autismus, Familie und die Frage, was passiert, wenn ein ganzes Leben um die Bedürfnisse eines anderen Menschen gebaut ist.
Worum geht es?
Im Zentrum steht Pina und ihr Sohn Leo, der in seiner eigenen, streng geordneten Welt lebt. Als Pina plötzlich ausfällt, kippt das fragile System aus Alltag, Verantwortung und Routinen. Eine ungewöhnliche Hausgemeinschaft aus Nachbar:innen muss sich plötzlich kümmern – obwohl eigentlich niemand bereit dafür ist. Daraus entsteht ein intensives Geflecht aus Überforderung, Nähe und der unbequemen Wahrheit darüber, wie sehr „Funktionieren“ im Alltag vorausgesetzt wird.
Meine Meinung
Was diesen Roman für mich besonders macht, ist die emotionale Präzision, mit der Vera Zischke Care-Arbeit erzählt – als permanenten, körperlich und psychisch fordernden Alltag. Der Text bleibt dabei erstaunlich nah an seinen Figuren, ohne sie zu überhöhen oder zu dramatisieren.
Im Zentrum steht eine Lebensrealität, in der Fürsorge nicht nur Aufgabe, sondern Identität wird. Pina organisiert nicht nur den Alltag ihres Sohnes Leo, sie wird zur Schnittstelle zwischen ihm und der Welt. Dadurch verschieben sich ihre eigenen Bedürfnisse immer weiter nach hinten, bis das gesamte System ins Wanken gerät.
Besonders beeindruckend ist, wie der Text das Verhältnis von Nähe und Abhängigkeit auslotet: Für Pina bedeutet Beziehung nicht Ausgleich, sondern dauerhafte Verantwortung. Gleichzeitig stellt der Roman die unbequeme Frage, was passiert, wenn ein einzelner Mensch zum stabilisierenden Zentrum eines ganzen Lebens wird – und was das mit allen Beteiligten macht.
Auch die Perspektive auf gesellschaftliche Kategorien wie „Normalität“ und „Inklusion“ wird kritisch aufgefächert. Der Roman vermeidet einfache Antworten und zeigt stattdessen, wie sehr diese Begriffe in der Praxis an Grenzen stoßen. Gerade die verschiedenen Figuren – von Zola über Inge bis Wojtek – spiegeln unterschiedliche Formen von Überforderung, Anpassung und sozialem Ausschluss wider und machen das Thema dadurch vielschichtig.
Fazit
„Pina fällt aus“ ist ein Roman über Fürsorge, Überforderung und die unsichtbare Arbeit hinter „Normalität“. Ein Buch, das wichtige gesellschaftliche Fragen stellt und dafür bewusst keine einfachen Antworten liefert. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung. Danke an List (Ullstein Verlag) und NetGalley für das digitale Rezensionsexemplar.
Worum geht es?
Im Zentrum steht Pina und ihr Sohn Leo, der in seiner eigenen, streng geordneten Welt lebt. Als Pina plötzlich ausfällt, kippt das fragile System aus Alltag, Verantwortung und Routinen. Eine ungewöhnliche Hausgemeinschaft aus Nachbar:innen muss sich plötzlich kümmern – obwohl eigentlich niemand bereit dafür ist. Daraus entsteht ein intensives Geflecht aus Überforderung, Nähe und der unbequemen Wahrheit darüber, wie sehr „Funktionieren“ im Alltag vorausgesetzt wird.
Meine Meinung
Was diesen Roman für mich besonders macht, ist die emotionale Präzision, mit der Vera Zischke Care-Arbeit erzählt – als permanenten, körperlich und psychisch fordernden Alltag. Der Text bleibt dabei erstaunlich nah an seinen Figuren, ohne sie zu überhöhen oder zu dramatisieren.
Im Zentrum steht eine Lebensrealität, in der Fürsorge nicht nur Aufgabe, sondern Identität wird. Pina organisiert nicht nur den Alltag ihres Sohnes Leo, sie wird zur Schnittstelle zwischen ihm und der Welt. Dadurch verschieben sich ihre eigenen Bedürfnisse immer weiter nach hinten, bis das gesamte System ins Wanken gerät.
Besonders beeindruckend ist, wie der Text das Verhältnis von Nähe und Abhängigkeit auslotet: Für Pina bedeutet Beziehung nicht Ausgleich, sondern dauerhafte Verantwortung. Gleichzeitig stellt der Roman die unbequeme Frage, was passiert, wenn ein einzelner Mensch zum stabilisierenden Zentrum eines ganzen Lebens wird – und was das mit allen Beteiligten macht.
Auch die Perspektive auf gesellschaftliche Kategorien wie „Normalität“ und „Inklusion“ wird kritisch aufgefächert. Der Roman vermeidet einfache Antworten und zeigt stattdessen, wie sehr diese Begriffe in der Praxis an Grenzen stoßen. Gerade die verschiedenen Figuren – von Zola über Inge bis Wojtek – spiegeln unterschiedliche Formen von Überforderung, Anpassung und sozialem Ausschluss wider und machen das Thema dadurch vielschichtig.
Fazit
„Pina fällt aus“ ist ein Roman über Fürsorge, Überforderung und die unsichtbare Arbeit hinter „Normalität“. Ein Buch, das wichtige gesellschaftliche Fragen stellt und dafür bewusst keine einfachen Antworten liefert. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung. Danke an List (Ullstein Verlag) und NetGalley für das digitale Rezensionsexemplar.