Wer kümmert sich, wenn niemand mehr kann?

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Mit „Pina fällt aus“ greift Vera Zischke ein hochaktuelles und wichtiges Thema auf: Was passiert, wenn die Person wegbricht, die im Alltag alles zusammenhält? Der Roman macht eindrücklich sichtbar, wie fragil die Strukturen rund um Care-Arbeit sind – und dass es oft keinen funktionierenden Notfallplan gibt, wenn pflegende Angehörige ausfallen. Die daraus entstehenden Lücken und Probleme werden nachvollziehbar und stellenweise auch beklemmend geschildert.

Als Pina im Krankenhaus landet und nicht mehr ansprechbar ist, bleibt ihr 20-jähriger Sohn allein zurück. Leo lebt in seiner eigenen Welt - es wird bewusst kein Krankheitsbild oder eine Störung genannt, was ich gut finde. Da er volljährig ist, fühlt sich keine staatliche Stelle verantwortlich und so bleibt es an den Nachbarn, einer älteren Dame, die das Haus nicht mehr verlässt, einer 16-jährigen Schulabbrecherin und einem jungen Mann, der digitale zwischenmenschliche Beziehungen den realen vorzieht, sich um Leo zu kümmern und ganz nebenbei auch in ihren eigenen Leben aufzuräumen.

Die Grundidee des Buches hat mir sehr gut gefallen, gerade weil sie einen Bereich beleuchtet, der gesellschaftlich oft zu wenig Beachtung findet. Zischke zeigt, wie schnell ein System ins Wanken gerät, das ohnehin schon auf Kante genäht ist, und wie abhängig viele Menschen von einzelnen Bezugspersonen sind.

Trotz dieses starken Ansatzes konnte mich der Roman insgesamt jedoch nicht ganz so überzeugen wie „Ava liebt noch“. Vieles fügte sich mir etwas zu glatt, Konflikte lösten sich teilweise zu einfach auf, und gerade angesichts der Schwere des Themas wirkte die Geschichte stellenweise fast zu leicht. Dadurch bekam das Buch für mich einen gewissen Feel-Good-Charakter, der nicht immer ganz zu den eigentlich sehr ernsten Inhalten passen wollte.

So bleibt „Pina fällt aus“ ein Roman mit einer wichtigen Botschaft und einer überzeugenden Grundidee, der mich in der Umsetzung jedoch nicht vollständig erreicht hat. Wer sich für gesellschaftlich relevante Themen interessiert, findet hier dennoch eine gut lesbare und zugängliche Geschichte – für mich aber mit kleinen Abstrichen.