Wer trägt uns, wenn einer ausfällt?

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katma Avatar

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Ich habe das Buch gestern beendet und möchte seitdem am liebsten jedem davon erzählen! So ging es mir auch schon bei „Ava liebt noch“, ein Buch, das für immer in meinem Herzen wohnen wird. Jetzt ist die Hausgemeinschaft aus der Hansastraße 22 auch mit eingezogen.
Pina lebt dort seit Jahren mit und für ihren zwanzigjährigen Sohn Leo, der feste Routinen und eine verlässliche Ordnung braucht. Als sie plötzlich zusammenbricht und ins Krankenhaus kommt, steht nicht nur Leo vor einem Abgrund, sondern auch der Takt der Nachbarn gerät aus den Fugen. Denn die haben bisher nicht wirklich viel miteinander zu tun und jeder bringt seine eigenen Sorgen mit. Doch aus Unsicherheit, Distanz und Überforderung wächst nach und nach etwas, das man fast schon Hoffnung nennen muss. Ich fand die Figuren sehr gut gezeichnet, sie wirken eigen, verletzlich und glaubwürdig.
Auch sprachlich ist Pina fällt aus für mich wieder ein Volltreffer. Der Stil ist klar und leicht, oft pointiert, manchmal fast poetisch - und dabei immer ganz nah an den Menschen. Das Buch liest sich mühelos, hat aber gleichzeitig Tiefe und Nachhall. Ich habe geweint und gelacht.
Mein Fazit: Vera Zischke erzählt hier eine Geschichte, die ich für gesellschaftlich relevant und emotional berührend halte und die dennoch erstaunlich leicht ist. Mich hat beeindruckt, wie unaufgeregt und gleichzeitig präzise das Buch von Sorgearbeit, Erschöpfung, Einsamkeit und Inklusion erzählt. Vera Zischke schreibt mit so viel Wärme und Feingefühl, dass man sich jeder Figur nahe fühlt, ohne dass der Roman jemals kitschig oder rührselig wird. Im Gegenteil: Gerade die feinen humorvollen Momente und die liebevolle Zeichnung der Hausgemeinschaft machen das Buch so besonders.