Zutiefst berührend!

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
simm.city Avatar

Von

Bereits beim Lesen der ersten Seiten war mir klar, dass die Autorin entweder Sonderpädagogin oder Mutter eines autistischen Kindes sein muss. Ich habe direkt recherchiert und festgestellt, dass Vera Zischke tatsächlich Mutter eines autistischen Kindes ist.
Sie beschreibt den Alltag sooo detailliert: Leo, der mit den Bedingungen des Autismus-Spektrum lebt, kann erst aufstehen, wenn in seinem Kinderzimmer eine grasgrüne Blase in der Lavalampe aufgestiegen ist. Der Gang von der Wohnung runter an die Haustüre beschreibt Vera Zischke als Tanz durch das Treppenhaus, weil Leo immer zwei Stufen nach unten und dann wieder eine zurück geht. Solche Rituale, die täglich immer gleich ablaufen müssen, sind für Autisten sehr wichtig, um ihre innere Ordnung herzustellen. Für eine Mutter, die auch noch alleinerziehend ist und in dem Buch Pina heißt, eine alltägliche Geduldsprobe und Herausforderung.
Der Leser ahnt schnell, dass diese Belastungen so nicht ewig weitergehen können und es kommt zum Zusammenbruch: PINA FÄLLT AUS. So auch der Titel des Buches.
Bei einem Kind mit Autismus-Spektrum benötigt man für die Erziehung eben nicht nur ein Dorf, sondern eine Stadt, so die Autorin am Ende des Buches.
Es wird sehr einfühlsam beschrieben, wie die Bewohner des Mietshauses sich zusammentun und es schaffen, sich um Leo zu kümmern und resümieren am Ende, was sie von so einem besonderen Menschen alles lernen können.