Düsterer Insel-Thrill zwischen echter Atmosphäre und vorhersehbarer Reißbrett-Erotik
Rein nach dieser Leseprobe geurteilt – der Text hat Momente, die mich stimmungsmäßig absolut abholen, stolpert dann aber leider über die typischen Tropes moderner New-Adult-Thriller, die mir einfach zu gewollt und konstruiert daherkommen.
Was die Autorin wirklich gut einfängt, ist die herbstliche Kulisse auf Juist. Dieser nasskalte, ungemütliche Inselherbst mit leergefegten Straßen, dem Schlick, den verschlossenen Läden und Einheimischen, die sich gegenseitig misstrauisch beäugen – das hat eine herrlich schwere, klaustrophobische Grundstimmung. Wenn dann auch noch ein Sturm aufzieht, die Fähren nicht mehr fahren und die Insel von der Außenwelt abgeschnitten ist, während das Verschwinden einer jungen Frau die Gemüter erhitzt, ist das eigentlich das perfekte Fundament für einen richtig packenden Spannungsroman. Auch die Einbindung des Podcasts „Nachtprotokoll“ als erzählerische Klammer passt gut in die heutige Zeit und bringt eine spannende Dynamik mit rein.
Aber meine Güte, die Figurenkonstellation und der Beziehungsaufbau zwischen Paula und Tristan alias „Emilio“ lassen mich dann doch ziemlich mit den Zähnen knirschen.
Da sitzt ein Serienmörder-Phantom namens Hades im Nacken der Insel, und was macht unsere Protagonistin? Sie schleppt einen völlig Fremden von der Bar direkt mit nach Hause, fachsimpelt bei einer Tasse Kamillentee detailverliebt über Strangulation, Opferprofile und Genitalverletzungen, nur um ihm praktisch im selben Atemzug an die Hose zu gehen. Das soll vermutlich unkonventionell, abgebrüht und emanzipiert wirken, driftet für mein Empfinden aber in eine völlig absurde, unlogische Kulisse ab. Die ganze Szene schreit dermaßen nach Reißbrett-Spannung („Böser, geheimnisvoller Fremder trifft taffe Podcasterin“), dass jegliche Glaubwürdigkeit flöten geht.
Wenn der Perspektivwechsel zu Tristan kommt und er am nächsten Morgen panisch feststellt, dass er mit der völlig Falschen im Bett gelandet ist – und dann prompt seine Kopfhörer am Tatort vergisst –, wird die Konstruiertheit des Plots noch offensichtlicher. Dass er kurz darauf als Hauptverdächtiger auf der Inselpolizeistation landet und ausgerechnet Paulas Stiefvater sein Pflichtverteidiger wird, passt genau in diese Kette von Zufällen, die man drei Meilen gegen den Nordseewind riecht.
Sprachlich liest sich das Ganze flott weg, keine Frage. Wer auf die Mischung aus knisternder Erotik, „Bad Boy mit Geheimnis“ und Kriminalfall steht, wird hier sicher bis zur letzten Seite mitfiebern. Mir persönlich ist der Kontrast zwischen ernsthaftem True-Crime-Thema und plattem Küchen-Techtelmechtel aber schlicht zu unausgegoren. Gute Kulisse, verschenktes Potenzial bei den Figuren.
Was die Autorin wirklich gut einfängt, ist die herbstliche Kulisse auf Juist. Dieser nasskalte, ungemütliche Inselherbst mit leergefegten Straßen, dem Schlick, den verschlossenen Läden und Einheimischen, die sich gegenseitig misstrauisch beäugen – das hat eine herrlich schwere, klaustrophobische Grundstimmung. Wenn dann auch noch ein Sturm aufzieht, die Fähren nicht mehr fahren und die Insel von der Außenwelt abgeschnitten ist, während das Verschwinden einer jungen Frau die Gemüter erhitzt, ist das eigentlich das perfekte Fundament für einen richtig packenden Spannungsroman. Auch die Einbindung des Podcasts „Nachtprotokoll“ als erzählerische Klammer passt gut in die heutige Zeit und bringt eine spannende Dynamik mit rein.
Aber meine Güte, die Figurenkonstellation und der Beziehungsaufbau zwischen Paula und Tristan alias „Emilio“ lassen mich dann doch ziemlich mit den Zähnen knirschen.
Da sitzt ein Serienmörder-Phantom namens Hades im Nacken der Insel, und was macht unsere Protagonistin? Sie schleppt einen völlig Fremden von der Bar direkt mit nach Hause, fachsimpelt bei einer Tasse Kamillentee detailverliebt über Strangulation, Opferprofile und Genitalverletzungen, nur um ihm praktisch im selben Atemzug an die Hose zu gehen. Das soll vermutlich unkonventionell, abgebrüht und emanzipiert wirken, driftet für mein Empfinden aber in eine völlig absurde, unlogische Kulisse ab. Die ganze Szene schreit dermaßen nach Reißbrett-Spannung („Böser, geheimnisvoller Fremder trifft taffe Podcasterin“), dass jegliche Glaubwürdigkeit flöten geht.
Wenn der Perspektivwechsel zu Tristan kommt und er am nächsten Morgen panisch feststellt, dass er mit der völlig Falschen im Bett gelandet ist – und dann prompt seine Kopfhörer am Tatort vergisst –, wird die Konstruiertheit des Plots noch offensichtlicher. Dass er kurz darauf als Hauptverdächtiger auf der Inselpolizeistation landet und ausgerechnet Paulas Stiefvater sein Pflichtverteidiger wird, passt genau in diese Kette von Zufällen, die man drei Meilen gegen den Nordseewind riecht.
Sprachlich liest sich das Ganze flott weg, keine Frage. Wer auf die Mischung aus knisternder Erotik, „Bad Boy mit Geheimnis“ und Kriminalfall steht, wird hier sicher bis zur letzten Seite mitfiebern. Mir persönlich ist der Kontrast zwischen ernsthaftem True-Crime-Thema und plattem Küchen-Techtelmechtel aber schlicht zu unausgegoren. Gute Kulisse, verschenktes Potenzial bei den Figuren.