Tiefgründig

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emkadiva Avatar

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Das Buch wird als fesselnder Mix aus Romance und Thriller vermarktet, ich würde es eher als Thriller light bezeichnen. Absolute Thrillerfans werden hier sicher nicht auf ihre Kosten kommen, aber für Einsteiger in das Genre ist es definitiv gut geeignet. Das Buch überzeugt mit einer flotten Story, die sich leicht lesen lässt und mehreren Überraschungen, die man mal mehr und mal weniger kommen sieht.

Die Romancegeschichte geschieht mehr am Rande und drängt sich nicht in den Vordergrund, was ich angesichts der Umstände auch mehr als passend finde. Bei den detaillierten intimen Szenen hätte eine fade to black-Umsetzung auch gereicht, vor allem, da sie so begrenzt und absolut nicht storyrelevant sind, allerdings könnte man es dann wohl schwerer als Romancesuspense vermarkten. Ich bin mir aber nicht sicher, ob sich die Romancezielgruppe bei diesem Buch allzu sehr abgeholt fühlen wird.

Wesselings Schreibstil ist sehr modern und leicht, was einen flüssigen Lesefluss erzeugt. Man kann förmlich durch die Seiten fliegen, sie schafft es dabei aber durch ein gutes Pacing, wechselnde POVs und kleinen Fragen, die sich immer wieder stellen, dass man stets aufmerksam bleibt und nicht bloß halbherzig dem Inhalt folgt. Es gibt nicht nur das Verbrechen in der Gegenwart, das es aufzuklären gilt, auch die Vergangenheit verfolgt unsere Charaktere, was dafür sorgt, dass man gar nicht mehr aufhört mit dem Rätseln und mehr Rätsel erhöhen natürlich auch die Wahrscheinlichkeit, dass man die ein oder andere Überraschung erlebt.

Paula als Protagonistin ist gut ausgearbeitet. Wir lernen sie direkt gut genug kennen, um eine Verbindung zu ihr aufzubauen und ein klares Bild von ihr zu haben und gleichzeitig entwickelt sie sich als Figur im Laufe der Geschichte weiter, öffnet sich mehr und gibt uns auch einen tieferen Blick in ihr Inneres, was sie somit die komplette Geschichte über interessant macht. 

Tristan fungiert mehr als Nebenfigur, auch wenn er seine eigene Sichtweise bekommt. Er ist nicht ganz so detailliert ausgearbeitet wie Paula, trotzdem erfahren wir genug, um auch zu ihm eine Bindung aufzubauen und Wesseling gelingt es definitiv, dass wir ebenso wie Paula gleich an seine Unschuld glauben und mit ihm mitfiebern und -bangen.

Die Beziehung der beiden wirkt nicht konstruiert oder gestellt, obwohl natürlich alles sehr schnell geht. Wesseling schafft es aber trotz des begrenzten Spielraums eine spürbare Anziehung zu erzeugen.

Die Geschichte selbst ist gut aufgebaut. Nicht jede Handlung ist spannungsgeladen, Längen gibt es aber keine. Alles ist nachvollziehbar, es gibt keine losen Enden, die Twists sind klug platziert.

Die kleinen Ergänzungen des Nachtprotokolls am Anfang zahlreicher Kapitel hätte man getrost weglassen können, da sie letztlich alle dasselbe aussagen und irgendwann hat man es halt einfach verstanden. Die Aussagen beschreiben zwar Paulas Haltung, was im Verlauf der Handlung immer wichtiger werden wird, allerdings geht diese Haltung auch deutlich aus der Geschichte hervor und hätte diese extra Betonungen nicht gebraucht.

Wesselings Geschichte schlägt einen gesellschaftskritischen Weg ein, den ich so nicht erwartet habe, was das Buch noch einmal auf ein anderes Level hebt. Es ist nicht nur fesselnd geschrieben und sorgt für unterhaltende Lesestunden, es gibt Frauen eine Stimme, zeigt Misogynie als fest verankertes Problem in der Gesellschaft auf und erzeugt dadurch noch mal eine ganz neue Flut an Emotionen, die dafür sorgen, dass einem das Buch noch lange nach dem Lesen im Gedächtnis bleibt. Ich hätte mir lediglich gewünscht, dass diesem Thema noch mehr Raum und Aufmerksamkeit gegeben worden wäre.

Insgesamt ein gelungenes, wichtiges Buch, absolut lesenswert!