Ich mag Capus
Die Leseprobe hat mich sofort mit ihrem besonderen Erzählton gepackt. Schon die Geschichte, wie ein Gasthof eigentlich Eintracht heißen soll und dann durch einen Dorfscherz zur Moskau wird, hat etwas sehr Eigenes und macht direkt neugierig. Besonders mochte ich, wie lebendig Arnold beschrieben wird. Er wirkt wie jemand, der seinen Platz sucht, sich nicht unterkriegen lassen will und genau weiß, dass er gegen die Witzbolde des Dorfes nur gewinnen kann, wenn er ihren Spaß selbst in die Hand nimmt. Der Text hat einen trockenen, klugen Humor, aber darunter steckt auch viel über Herkunft, Stolz und soziale Unterschiede. Man spürt sofort, wer im Dorf dazugehört und wer nicht, und wie sehr Arnold versucht, sich trotzdem etwas Eigenes aufzubauen. Auch die Beschreibung der Landschaft, der Grenze und des Gasthofs ist sehr bildhaft. Ich hatte das Dorf, die Landstraße, die Fahnen im Abendwind und Arnolds noch unfertiges Herzensprojekt sofort vor Augen. Für mich klingt das nach einer originellen, witzigen und zugleich feinsinnigen Geschichte über einen Mann, der sich nicht kleinmachen lässt und ausgerechnet aus einem Spottname etwas Besonderes machen könnte.