Ein Gasthaus, Schmuggel und lebendige Figuren

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susank Avatar

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Nachdem Arnold lange durch die Gegend gezogen ist und niemals länger als 100 Tage an einem Arbeitsplatz verweilte, war ihm - eher unfreiweillig - das Glück im Casiono hold und Arnold wird sesshaft. Im kleinen Dorf Ramsen an der Schweizerischen-Deutschen Grenze eröffnet der fleißige Arnold ein Gasthaus, dem die Witzbolde des Ortes den Namen "zur Moskau" verpassen. Im Vertrauen darauf, dass sich alles finden wird, wartet er auf eine Frau - und heiratet die zufällig vorbeireitende Betty, mit der er acht Kinder bekommt. Die älteste Tochter, die schräge Clara, hat den unsteten Charakter ihrer Mutter geerbt und führt ein ebenso sprunghaftes Leben, bis sie sich in den Schmuggler Hermann verliebt. Doch dieser bringt die uniformierten Deutschen gegen sich auf und es kommt zum Drama ....

Als Setting hat der schweizer Schriftsteller Alex Camus die Gemeinde Ramsen im heutigen Kanton Schaffhausen gewählt, die direkt an der Grenze zu Deutschland, nahe Singen gelegen ist. Diese gibt es tatsächlich, genau wie den Weiler Moskau dort, und nicht nur das erweckt in jedem Augenblick den Eindruck, die von Alex Camus erzählte Geschichte hätte sich genau so zugetragen und sei wahr.

Als neutraler Beobachter erzählt Camus von den Ereignissen, die sich vor über 100 Jahren zugetragen haben; dabei kennt er jedoch höchsten die Gedanken und Gefühle von Arnold; insbesondere die Frauen Betty und Clara werden in ihrer unsteten Art von Geheimnissen umhällt. Trotzdem empfand ich die besondere Art, Menschen zu beschreiben, mit genauem Blick auf ihre hervorstechenden Eigenschaften oder besser gesagt Eigenarten, als überaus liebevoll und sie machte mich neugierig, immer mehr erfahren zu wollen und das Buch nicht mehr aus der Hand zu legen. Selbst die Nebenfiguren wurden mit wenigen Worten so überaus treffend beschrieben, dass ich ein genaues Bild vor Augen hatte.

Begeistert hat mich auch wieder einmal der Sprachstil: Camus schreibt mit feiner Wortwahl, ohne dabei prätentiös zu wirken. Das Bildhafte und vor allem der feinsinnige Humor haben mich voll in ihren Bann gezogen und ich ertappte mich so manches Mal dabei, wie ich still vor mich hin lächelte.

Eine Besonderheit stellt in diesem Buch der Schluss dar: das Drama um Hermann und die daraus entstehenden diplomatischen Verwicklungen zwischen der Schweiz und Deutschland werden zwar aufgelöst, dennoch bleibt das Ende im Ungewissen Doch selbst das vermag ich nicht zu kritisieren.

Eigentlich erzählt Alex Camus auch in "Querfeldein" wieder eine kleine Geschichte, die sich an tausenden Orten zugetragen haben könnte oder sogar zugetragen hat, aber dies mit einer solchen Empathie und Liebe zu seinen Figuren, die auf den ersten Blick äußerst schräg wirken, aber die man dann doch auch aus der Realität zu kennen glaubt, genauesten Beobachtungen des Lebens im Allgemeinen und Besonderen und dazu in wunderschöner Sprache, dass ich wieder einmal in meiner Meinung bestötigt wurde, Camus zu meinem LIebelingsschriftstellern zu zählen!
Für mich nichts anderes als eine klare Leseempfehlung.