Nachhallend schön

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Alex Capus hat ein Faible dafür, kleine, fast vergessene Geschichten aus der Wirklichkeit zu fischen und ihnen literarisches Leben einzuhauchen. In „Querfeldein” führt ihn das ins Schweizer Grenzdorf Ramsen, wo der junge Arnold Anfang des 20. Jahrhunderts den Gasthof „Zur Moskau” übernimmt. Er heiratet die resolute Betty, die Kinder kommen fast im Dutzend, acht an der Zahl, und ums Wirtshaus tummelt sich, was das Dorfleben so hergibt: Schmuggler, Stammtischbrüder, Grenzgänger bei Nacht und Nebel.
Richtig brenzlig wird es 1933, als Tochter Clara sich in den Schmuggler Hermann verliebt und der sich mit den frisch installierten Nazi-Behörden auf beiden Seiten der Grenze anlegt. Was folgt, ist fast schon Asterix-Stoff: Ein ganzes Dorf legt sich mit einer Großmacht an, und am Ende knickt sogar Berlin ein. Dass diese Geschichte tatsächlich so passiert ist, macht sie nur noch besser.
Was den Roman trägt, ist aber gar nicht in erster Linie das Drama, sondern das, was drumherum passiert: das jahrzehntelange Miteinander einer großen Familie, das Auf und Ab einer Ehe, das zähe, warme Alltagsleben in einem Wirtshaus. Capus schreibt darüber mit einer Leichtigkeit und Wärme, die man selten in dieser Form findet. Mal lakonisch-trocken, mal fast zärtlich, und immer wieder mit diesem feinen, unaufdringlichen Humor, der einen beim Lesen öfter mal schmunzeln lässt.
Ein Buch, das historisch fundiert ist, ohne belehrend zu wirken, und das unterhält, ohne oberflächlich zu bleiben. Wer Capus mag oder generell Romane, die sich auf wahre Begebenheiten stützen und trotzdem wie erfunden lesen, ist hier genau richtig.