Schöne Geschichte mit historischem Bezug

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elfe1110 Avatar

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'Gasthof zur Moskau' – Einen anderen Namen hätten die Witzbolde des Dorfes wohl nicht mehr akzeptiert. Und weil es in dem kleinen Schweizer Dorf einfacher ist, in der Gunst eben dieser zu stehen, lässt der junge Wirt Arnold kurzerhand diesen Namen über die Eingangstür pinseln, als er sich in dem kleinen Grenzort niederlässt.
Als dann kurze Zeit später Betty, hoch zu Ross und nicht auf den Mund gefallen, bei ihm einkehrt, ist schnell klar: Hier haben sich zwei gefunden. Es wird geheiratet, acht Kinder folgen. Das Leben nimmt seinen Lauf. Anton 'kommt an' im Leben, findet seine innere Ruhe und Balance. Bis sich die älteste Tochter Clara in einen Schmuggler verliebt. Das allein genommen wäre nicht einmal so tragisch, schließlich gibt es in dem Ort kaum jemanden, der davon nicht profitiert. Aber wir haben es 1933 und die jungen Nazis auf der anderen Seite der Grenze fangen gerade erst an, sich in ihrer neuen Rolle als Hüter von 'Recht und Ordnung' zu gefallen.
Eine historische Geschichte, die vor gut 100 Jahren in der Deutsch-Schweizer Grenzregion für überregionale Schlagzeilen sorgte, ist die Grundidee, auf der Alex Capus seinen neuen Roman aufbaut. Wobei er den Fokus gar nicht so sehr auf diese dramatische Geschichte lenkt, sondern vielmehr auf die Menschen und das Dorf selbst, die die Kulisse hierzu bilden. Und dies ist erzählerisch wunderbar authentisch, feinfühlig und hier und da mit Witz und Ironie erzählt. Da ist etwa der schrullige Eigenbrötler Sepp, der den Gasthof-Namen schreiben soll, die Witzbolde, allesamt unwirsche Söhne reicher Väter oder auch Arnolds Frau Betty, die so herzlich selbstbewusst ist. Herrlich! Und wenngleich in diesem Roman gar nicht so viel passiert, so sind es genau diese Figuren und die dahinplänkelnden Alltagsgeschichten vor grandioser Kulisse, die wunderbar unterhalten, ohne oberflächlich zu wirken.