Schrullen von der deutsch-schweizerischen Grenze

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Für den zugezogenen Arbeitersohn Arnold war klar, dass er sich mit „den Witzbolden“, der Clique wohlhabender Bauernsöhne im Dorf, allein schon wegen seiner Fußverletzung nicht messen konnte und so entschied er sich, einen Gasthof zu eröffnen. An einer Stelle der deutsch-schweizerischen Grenze, wo nachts die Schranken des Grenzübergangs geschlossen werden, lag sein Gasthof am Schnittpunkt der Nachrichten, der Handels- und Schmugglerwege und der Routen von Wilderern und Geflüchteten. Er zahlt immer sofort, arbeitet in jedem Gewerk am Haus mit und erwirbt sich den Ruf eines zuverlässigen Geschäftsmanns. Bereits vor Eröffnung, als Sepp der Schriftenmaler den Namen des Gasthofs an der Hausfassade anbringen soll, zeigt Arnold in der Verhandlung mit Sepp seinen besonderen Sinn für Humor. Arnold bot seinen Gäste alles, was einen Gasthof ausmacht: einen Biergarten unter schattigen Kastanien, die Gelegenheit Pferde anzubinden, Mansardenzimmer unter dem Dach – und schließlich seine tatkräftige Frau Betty als Wirtin, mit der er acht Kinder hatte. Man kennt hier die Wege, die Waren und die Routinen der Zollbeamten, mit denen man im Dorf Tür an Tür lebt. Wie ein Dorf funktioniert, in dem man zum Pilze sammeln aufbricht und quer durch den Wald mit Schmuggelgut zurückkommt, das beschreibt Alex Capus mit dem schlitzohrigen Humor, der auch Arnold auszeichnet.

Die 1903 geborene Tochter Clara gerät sichtlich nicht nach Arnold, sie will weg, woanders hin, seit sie krabbeln kann. Als die erwachsene Clara zu Pferd mit dem bärenhaften böhmischen Holzfäller Hermann zurückkehrt, weist sie ihn in die Geheimnisse der besonderen Wegkreuzung ein. Die Uniformträger aus dem Nachbarland, die Hermann auf Schweizer Boden überfallen und verschleppen, ahnen nicht, welche internationale Krise sie damit losgetreten haben. Schließlich sind aus den Witzbolden von früher ordentliche Geschäftsleute geworden, Arnold wirkt nach Jahrzehnten sichtlich ergraut und kann zufrieden darauf zurückblicken, dass er nie alle seine Trümpfe auf den Tisch gelegt hat.

Fazit
Ein Gasthof an der deutsch-schweizerischen Grenze an sich ist bereits ein hinreißender Schauplatz, weil bei Arnold Neuigkeiten eintreffen, ohne dass er einen Fuß aus dem Haus setzen müsste. Seine Liebenswürdigkeit, die ungewöhnliche Ehe mit Betty und die groteske Geschichte um Hermann aus Böhmen fügen sich zu einem Highlight dieses Sommers.