Animalischer Spice mit purer Wolfsenergie

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throughsioux Avatar

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Hallo ihr Lieben<3
Team Werwolf oder Vampir? Ich bin Team Vampir, aber vielleicht habe ich den Werwölfen bisher auch noch nicht richtig eine Chance gegeben. Oder bin leicht beeinflusst worden, denn wie oft spielen Werwölfe nur die Nebenrollen? Oft, wenn ihr mich fragt.
Zeit also, ein Buch zu lesen, dass sich nur mit Wölfen beschäftigt. Wenn auch mit Gestaltswandler:innen, keinen Werwölfen. Oder noch präziser: Totem-Geistwandler:innen.

Zur Info: Dies ist ein Einzelband.

Schreibstil:
Hier haben sich zwei Autor:innen zusammengetan. Das merkt man am Schreibstil aber nicht. Der ist schön fließend und beschreibend, gleichzeitig lebendig und fesselnd. Gerade die Passagen, in denen Seneca eins mit ihrer Wölfin sind, fand ich super geschrieben. Die Gefühle kamen gut rüber, ebenso wie das Animalische, das natürlich in erster Linie den Wölfen, aber auch den Figuren inneliegt.

Die Geschichte: Selbstfindung, Rudelkriege und tief vergrabende Missstände

Erzählt wird einzig aus der Perspektive von Seneca, die am Anfang des Buches um ihre Mutter trauert, die gleichzeitig ihr einziger Schutz in ihrem Rudel war. Jetzt steht sie vor der Herausforderung, sich selbst zu beschützen und ihren Wolf in Empfang zu nehmen. So passiert es, wenn die Totem-Geistwandler:innen ihren Wolfsgeist in sich aufnehmen und sich dann in ihn verwandeln können. Wichtig bei alldem: Der Geist des Wolfes und der Geist des Menschens exisiteren parallel. Sie können miteinander kommunizieren, der Mensch ist aber nicht Wolf.
Das fand ich schonmal ganz spannend, weil es sich von dem unterscheidet, was ich kenne und weil es das Animalische, das Unberechenbare und (Achtung wichtig) Unbezähmbare sehr deutlich macht.

Seneca – möchte über sich selbst bestimmen, ist ungezähmt & hat ein Trauma

Anfangs hatte ich aufgrund ihrer distanzierten Art ein paar Probleme mit Seneca. Auch später noch wirkt sie öfters hysterisch und äußerst misstrauisch. Zunächst ist das anstrengend, denn natürlich könnte die Handlung ansonsten viel weniger dramatisch voranschreiten. Nach und nach wird aber immer mehr erklärt und ich konnte sie besser verstehen. Was ich gut an all dem fand: Seneca ist eine starke Figur, die selbstbestimmt leben möchte. Etwas, was man absolut nachvollziehen kann und dann auch schnell eine Verbundenheit schafft.
Zu ihrem Auftreten passt, dass sie ausspricht, was ihr auf dem Herzen liegt, bzw. was ihr wichtig ist. Das rettet so manche Situation und bringt zudem Tiefe.

Tyran – Gefährte, Alphawolf, hart, aber fair & kämpft gegen Missstände

Tyran ist natürlich im ersten Moment geheimnisvoll und scheint brutal. Umso besser Seneca ihn kennenlernt, desto mehr beweist er aber, das viel mehr in ihm steckt und das er eigentlich ganz anders ist, als das, was man außerhalb seiner Welt über ihn erzählt. Perfekte Figur also, um sich mit Seneca über Vorurteile zu fetzen, ihr gegenüber zu treten, wenn sie ungezähmt ist und GANZ WICHTIG, um sie zu erden. Denn in all dem ist Tyran unheimlich kontrolliert und kann Seneca damit die Stütze sein, die sie braucht, um ihren inneren Kampf zu bestreiten und mit den Geschehnissen in ihrem Hier und Jetzt klarzukommen.



Wie die beiden zu Gefährten werden – und zusammen wachsen

Tyran ist also Senecas Anker. Das passte für mich auch sehr gut in die Story, da bei Seneca doch vieles in der Schwebe ist und sie vieles zu verarbeiten hat. Woran ich mich erst gewöhnen musste, war aber die Geschwindigkeit, mit der sie und Tyran zum absoluten Dream Team werden. Durch das Gefährtendasein ist es nicht Liebe auf den ersten Blick, aber Nähe auf den ersten Blick. Und dadurch vielleicht alles etwas sehr fix. Denn ab jetzt geschieht alles im Schnelldurchlauf. Ihre Konflikte müssen sie innerhalb weniger Minuten klären, sein „Ankerdasein“ funktioniert fast genauso schnell, weshalb sich Seneca auch unheimlich schnell entwickelt, und den Rest der Zeit verbringen sie zusammen im Bett. Ach und dazwischen verlieben sie sich natürlich noch ineinander.
Ja, ich habe die Gefühle gespürt und ich fand auch, dass sie die Konflikte gut miteinander gelöst bekommen haben, aber es war alles einen Tick zu schnell.

Dark Romance – eher soft, dafür sexy

Den Spice im Buch fand ich manchmal etwas fehl am Platz, weil er der Geschichte so viel andere Handlung nahm. Klar, die beiden dürfen gern scharf aufeinander sein und ich habe auch nichts gegen Spice, aber dazu kam dann einfach noch, dass die Szenen nicht wirklich gut geschrieben waren. Sie wirkten irgendwie inhaltslos. Es wurde alles nur so ungefähr beschrieben und ich konnte auch nicht wirklich Gefühle währenddessen wahrnehmen. Zudem wurde einiges einfach nur übersprungen und dann in Kurzversion geschildert. einerseits genau das, was ich eigentlich will, andererseits blieb aber auch das natürlich inhaltslos.
Den Dark Romance Anteil dieser Story konnte ich jetzt nicht so krass ausmachen. Zwar gibt es viel Gewalt – es sind immerhin Wölfe – , aber ansonsten fand ich es nur spicy, nicht dark. Aber das ist wahrscheinlich sehr subjektiv.

Hntergründe & Rudelleben

Mein größter und eigentlich einzig richtiger Kritikpunkt an dieser Geschichte ist, dass mir noch ein wenig Komplexität in diesem ganzen Rudelthema gefehlt hat. Es gibt zwar einen Verräter, einen Antagonist und eine ziemlich krasse Hintergrundgeschichte von Misshandlungen, aber irgendwie wird sie nur in Senecas Emotionen deutlich. Nicht, dass ich das nicht gut gemacht fand. Ich fand sogar, dass ihr Trauma und ihre Ängste sehr gut herausgearbeitet und spürbar gemacht wurden. Nein, vielmehr ist es so, dass ich von einem Romantasybuch noch mehr Komplexität erwartet hätte. Keine eine finale Schlacht und dann war es das. Auch hier lag in der Kürze die Würze.
Ich glaube, wenn man einfach akzeptiert, dass das Buch genau nach diesem Motto verfährt, dann wird man mit dieser Story sehr sehr glücklich. Wenn man länger braucht, um sich einzufühlen und mit den Protagonist:innen warm zu werden, dann stellt euch darauf ein, dass ihr ein paar Abstriche machen müsst:)

Mein absoluter Pluspunkt: hier geht’s darum, jeder Figur eine Stimme zu geben, feministisch zu sein und sich nicht von Vorurteilen leiten zu lassen. Das fand ich eine starke Background-Story!

Fazit:
Eine Geschichte, die die animalischen Wölfe und ihr Rudelleben in den Vordergrund stellt. Besonders gelungen: die Hintergründe und Missstände, die auch dort herrschen können. Es ist schon fast feministisch geschrieben. Die Hauptprotagonistin ist stark und gleichzeitig verletzt. Es gibt Tiefe und Emotionen, jede Menge Spice und einen Love Interest, der Herzen schmelzen lässt. An die Fantasyelemente muss man sich vielleicht ein wenig gewöhnen, da der Schreibstil sie in besonderer Weise aufnimmt, aber mir hats gefallen und ich kann das Buch allen empfehlen, die sich nicht daran stören, dass hier alles etwas schneller passiert.

4 von 5 Sterne von mir.

3 Gründe, weshalb du dieses Buch lesen solltest

Weil die Wolfsdarstellung erfrischend anders ist
Weil die Geschichte starke, feministische Themen transportiert
Weil Romantasy, Rudelpolitik und Spice miteinander verschmelzen