Warmherzig

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therealmike Avatar

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Diese Leseprobe hat mich mit ihrem warmherzigen, humorvollen Ton sofort für sich eingenommen. Luises trockener, selbstironischer Blick auf die Rauhnächte-Rituale, ihre Freundin Linhs esoterische Begeisterung und die eigene Skepsis als Ärztin, die mit Selbsthilfe-Ritualen nichts anfangen kann, sind sehr unterhaltsam geschildert. Besonders die kleinen Seitenhiebe, etwa der Vergleich mit der enttäuschten elektrischen Zahnbürste oder die Frage, was sie tun soll, wenn sie nicht spinnen darf, haben mich zum Schmunzeln gebracht.

Der Bruch am Ende des ersten Kapitels hat mich dann sehr berührt: Aus der komödiantischen Weihnachtsschilderung wird unvermittelt eine bedrückende, detailliert geschilderte Erinnerung an einen Fahrradunfall und eine gescheiterte Reanimation. Dieser Kontrast zwischen der leichten, fast albernen Oberfläche der Rauhnächte-Liste und dem tiefen Trauma, das Luise offensichtlich mit sich herumträgt, funktioniert gut und macht neugierig, wer Felix war und was genau im Herbst passiert ist, worauf Linhs Brief anspielt.

Die Beobachtungen zur fremden, makellosen Wohnung der Freundin, im Gegensatz zum chaotischen, liebevoll unaufgeräumten Kinderzimmer, sind fein beobachtet und geben der Geschichte eine zusätzliche emotionale Ebene, das Gefühl des Fremdseins im Leben eines anderen, während man selbst mit etwas Schwerem ringt. Ich bin gespannt, wie sich Luises Auseinandersetzung mit den Rauhnächten-Ritualen entwickelt und ob sie ihr tatsächlich hilft, mit dem Verlust von Felix umzugehen.