Zwischen Räucherwerk-Skepsis und echtem Seelenschmerz

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roswitha-böhm-gedankenteiler Avatar

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Was mich bei diesen wenigen Seiten musste ich erst schmunzeln und hatte kurz darauf einen dicken Klos im Hals! Ich liebe Figuren, die nicht gleich bei jedem Wellness-Hype andächtig in die Hände klatschen, sondern mit einem herrlich pragmatischen, trockenen Verstand gesegnet sind. Genau dieser Blickwinkel tut unheimlich gut: Wenn einem die Welt ohnehin um die Ohren fliegt, wirkt dieser ganze aufgesetzte Achtsamkeitszirkus mit Räucherwerk und festen Ritualplänen nämlich erst einmal wie eine verflixt anstrengende Zumutung. Dass die Autorin diese Skepsis so ungefiltert und mit feiner Selbstironie aufschreibt, macht die Erzählerin für mich auf Anhieb greifbar und liebenswert.

Was mich an diesem kurzen Vorgeschmack aber wirklich umgehauen hat, ist die emotionale Wucht dahinter. Diese Ohnmacht, wenn das eigene Können nicht reicht und einen Schuldgefühle und quälende Erinnerungen nachts um den Schlaf bringen, schmerzt beim Lesen physisch. Da steckt so viel echte Menschlichkeit drin, ganz ohne melodramatischen Kitsch.

Wie die Geschichte diesen Bogen schlägt – von der puren Abwehrhaltung gegenüber esoterischen Vorschriften hin zu dem stillen Versuch, über ein paar ehrliche Wünsche wieder Boden unter den Füßen zu gewinnen –, finde ich psychologisch grandios beobachtet. Ein unheimlich berührender, leiser Auftakt, der mich sofort gepackt hat und bei dem ich brennend wissen will, ob dieser Weg durch die Rauhnächte sie heil durch den Winter bringt.