Zwischen Zweifel und Zuversicht
Die Leseprobe wirkt vielversprechend. Luise, mit ihrer skeptischen und angenehm trockenen Art auf die Welt der Rauhnächte zu blicken, könnte meine beste Freundin sein. Ihre ironischen Gedanken über Rituale, Räucherwerk und alte Bräuche sorgen immer wieder für humorvolle Momente. Umso stärker wirkt der Kontrast, als nach und nach deutlich wird, welchen schweren Verlust sie mit sich trägt. Die Erinnerungen an Felix’ Unfall haben mich berührt und geben der Geschichte plötzlich eine ganz andere Tiefe. Gerade diese Mischung aus Leichtigkeit, Trauer und Hoffnung empfinde ich als sehr gelungen. Spannend finde ich auch, dass Luise sich trotz aller Vorbehalte langsam auf die Rauhnächte einlässt. Ich bin neugierig, ob die Rituale ihr tatsächlich helfen werden, mit ihrer Schuld, ihrer Trauer und ihren Ängsten umzugehen – und vielleicht einen Weg zurück zu sich selbst zu finden. Auch das Cover finde ich sehr ansprechend. Richtig stark finde ich das tiefe Nachtblau in Kombination mit dem warmen Orange der Typografie und des kleinen Feuers. Dadurch wirkt das Cover gleichzeitig kühl-winterlich und trotzdem nicht abweisend. Der Mond, das Meer und die einzelne Figur am Strand erzeugen sofort eine stille, fast meditative Atmosphäre. Gleichzeitig schwingt etwas Einsames mit – was sehr gut zu Luises innerer Verfassung passt.