Selbstfindung in den rauen Nächten

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hohleborn8 Avatar

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Luise steckt beruflich wie auch privat in einer tiefen Krise. Als Ärztin konnte sie einem guten Freund nicht helfen. Sie hat ihn verloren. Nun zweifelt sie an ihren beruflichen Fähigkeiten, aber auch daran, ob sie überhaupt geeignet ist für den Arzt-Beruf. Privat hat sie nach dem Tod der Mutter vor Jahren nun auch ihren besten Freund verloren und steht alleine da.
Zu Weihnachten bekommt sie die Einladung ihrer besten Freundin, die Rauhnächte, mystische Zeit zwischen Heiligabend und dem Tag der heiligen drei Könige in deren Haus am Meer zu verbringen. Linh selbst ist mit ihrer Familie währenddessen in Urlaub. Dort soll sie sich mit den Ritualen der Rauhnächte beschäftigen, in sich kehren und über ihre Zukunft nachdenken.
Die Autorin erläutert die Bedeutung der einzelnen Rituale der Rauhnächte sehr detailliert. Wer Interesse an einer tiefgründigen Beschreibung dieser Zeit zwischen den Jahren sucht, wird hier gut bedient. Auch zeigt Ina Bhatter, wie es gelingt, zu entschleunigen, über sich und sein Leben nachzudenken und neue Ziele zu fassen.
Trotzdem fehlte mir das gewisse Etwas an diesem Buch. Vielleicht liegt es daran, dass das Leben von Luise doch größtenteils im Dunkeln bleibt. Sie steht allein im Leben. Felix, der Mann, dessen Tod sie so aus der Bahn geworfen hat, scheint nur ein Freund gewesen zu sein. Ihre Freundin hat inzwischen Familie mit zwei Kindern. Über Männer in Luises Leben erfährt man nichts. Auch über Felix erfährt man so gut wie nichts. Welche Rolle spielte er in Luises Leben? War er wie ein Bruder für sie? Da fehlt ein bisschen Stoff, um Luises Leben besser verstehen und mitfühlen zu können.
Ein gutes Lehrbuch zur Entschleunigung, auch lehrreich zur Verlustbewältigung, aber mein Herz wurde kaum berührt.