Wenn die Rauhnächte neue Türen öffnen

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kat-yes Avatar

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Mit Rauhnachttage ist Ina Bhatter ein wunderbar atmosphärischer Roman gelungen, der mich auf eine ganz besondere Reise zwischen den Jahren mitgenommen hat.

Im Mittelpunkt steht Luise, eine junge Ärztin, die nach einem schweren Schicksalsschlag den Glauben an sich selbst verloren hat. Um Abstand zu gewinnen, verbringt sie Weihnachten und den Jahreswechsel in einer Wohnung am Meer, die ihrer Freundin Linh gehört. Dort begegnet sie dem Thema Rauhnächte und verschiedenen jahrhundertealten Winterritualen. Als Frau der Wissenschaft betrachtet sie all das zunächst eher skeptisch. Doch nach und nach beginnt sie, sich darauf einzulassen, und merkt, dass diese besonderen Tage etwas in ihr verändern.

Ich kannte die Rauhnächte bislang vor allem aus Sachbüchern und fand die Idee großartig, dieses Thema in eine Romanhandlung einzubetten. Ina Bhatter vermittelt ganz nebenbei viele Möglichkeiten, die Zeit zwischen den Jahren bewusster zu erleben: Da wären zunächst die 13 Wünsche, aber auch Journaling, Meditation, Räuchern, Naturerlebnisse oder auch das Gestalten eines Vision Boards. Dabei wirkt der Roman für mich nie wie ein verkapptes Sachbuch. Vielmehr begleiten wir Luise auf ihrem ganz persönlichen Weg und erleben mit ihr, wie sich neue Gedanken und Perspektiven öffnen.

Gerade diese Verbindung aus Geschichte und spirituellen Impulsen hat mir sehr gefallen. Nicht jeder möchte sich durch umfangreiche Ratgeber arbeiten, und ich persönlich finde es ebenfalls viel schöner, solche Themen eingebettet in eine Handlung kennenzulernen. Dadurch bekommen die Rauhnächte etwas Leichtes, Lebendiges und Nahbares.

Luise mochte ich besonders deshalb, weil sie den Ritualen eben nicht sofort begeistert gegenübersteht. Ihre anfängliche Skepsis macht ihre Entwicklung für mich glaubwürdig. Stück für Stück beginnt sie, innezuhalten, genauer hinzuschauen und sich selbst wieder näherzukommen. So wird ihre Reise durch die Rauhnachttage letztlich auch zu einer Reise zurück ins eigene Leben.

Einziger kleiner Wermutstropfen: Mit rund 200 Seiten war mir der Roman beinahe zu schnell ausgelesen. Ich hätte Luise gern noch ein Stück länger begleitet.

Auch das Cover gefällt mir ausgesprochen gut. Die nächtliche Küstenlandschaft, das Meer, der Mond und die einzelne Figur am Feuer erzeugen sofort eine ruhige, fast magische Atmosphäre. Besonders schön finde ich den warmen Orangeton der Schrift und des Feuers vor dem tiefen Blau. Für mich passt all das optimal zum Inhalt des Romans.

Fazit: Rauhnachttage ist für mich eine wunderschöne, inspirierende Geschichte über das Innehalten, Loslassen und den Mut, sich wieder für neue Möglichkeiten zu öffnen. Von mir gibt’s eine klare Leseempfehlung, und zwar nicht nur für Menschen, die sich bereits für die Rauhnächte interessieren.