Drei Erzählstimmen, drei Zeiten, drei Leben und doch eine Familie

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
bookmark_mess Avatar

Von

Drei Erzählstimmen, drei Zeiten, drei Leben und alle miteinander verwoben wie ein alter, kostbarer Quilt mit Flicken aus Vergangenheit, Wissenschaft, Mutterschaft und ganz viel unausgesprochener Liebe.

🌆 1999, New York: Lily, Kunsthistorikerin mit mehr Träumen als Geld, lebt von unbezahlten Praktika und Kaffee aus der Thermoskanne. Ihre Mutter Mei Ling ist kontrolliert, emotional verschlossen und hält nichts von Lilys Berufsweg. Mei hat sich als Einwanderin aus China in den 60ern neu erfunden: Nur noch Englisch, nur noch Wissenschaft, keine Rückschau. Als Lily den charismatischen, reichen Matthew kennenlernt, knistert’s aber nicht nur zwischen den beiden, sondern auch zwischen den Welten, die sie verkörpern. Zwischen Herkunft und Hochglanz, Wurzeln und Wolkenkratzern.

🏝️ 2020, eine kleine Insel vor Seattle: Nick, Lilys Sohn, wächst in einer Art analogem Biotop auf: kein WLAN, keine Screens, kein Fahrunterricht. Nur Bücher, Gespräche mit seiner schrulligen Mutter – und Timothy, sein bester Freund. Als sich plötzlich die Tür zu einem bisher verschwiegenen Teil seiner Identität öffnet (Stichwort: Vater?), beginnt ein innerer Roadtrip, der alles in Frage stellt: Wer bin ich, wem ähnele ich, und warum ist meine Familie so… schweigsam? Und irgendwie ist er anders, anders als erwartet.

🌾 Zurück in die 1960er, ins ländliche China: Die junge Mai träumt von der Wissenschaft und nicht von Arbeit auf dem Feld. Doch Mao kommt, die Kulturrevolution rollt heran wie ein Sturm. Forschung wird verdächtig, Intellektuelle verfolgt. In einem Akt von Mut (oder Verzweiflung?) flieht sie mit einem Kollegen in die USA. Dort wird aus Mai Mei Ling, die spätere Mutter von Lily, und ihre Geschichte beginnt sich einzufrieren in einem Mantel aus Schweigen.

🧬 Und über allem schweben Themen wie Nebel: Genforschung, Ethik, Rassismus, Sprache, Liebe, Zugehörigkeit. Alles schwer greifbar, aber immer spürbar. Jede Entscheidung dieser Frauen schwingt nach, in den Genen, in den Beziehungen, in der Frage: Was bleibt unausgesprochen, aber trotzdem da?

Oh my bookmarks – Teil 1 & 3 haben mich gecatcht, dass ich Klebezettel wie Konfetti verteilt hab. Lily? Mei Ling? Give me more! Ihre inneren Monologe, die leisen Zweifel, die stillen Konflikte wie literarisches Soul Food.

"Natürlich gewann ich nichts. Ich war kein Mensch, der Glück hatte. Ich hatte nie den Wahrscheinlichkeiten getrotzt. Schon als chinesische Frau geboren zu werden, war das wahrscheinlichste, was einem Menschen passieren konnte"

Ich mein – hello?! Das brennt sich ein.
Der zweite Teil? Hatte so ein bisschen "Roadtrip mit Nebenhandlungen, die keiner bestellt hat"-Vibes. Sehr YA, ein bisschen lost, aber okay: Nick hat was, Timothy auch, und diese Freundschaft ist zart und schön. Trotzdem: Da wäre weniger mehr gewesen.

Was bleibt? Eine Mischung aus:
✨ Familiengeheimnisse (ja bitte!)
✨ Forschungsethik und Krebsheilung (interessant, aber fast zu viel)
✨ Was macht mich aus? Herkunft oder Haltung?
✨ Wer darf entscheiden, was Wissenschaft darf?
✨ Und wie viel Vergangenheit steckt in jedem von uns, auch wenn niemand drüber spricht?

Ein Roman wie ein Familienstammbaum mit doppeltem Boden. Tiefgründig, melancholisch, stellenweise überfrachtet – aber so klug, so durchdacht, so menschlich. Lily und Mei Ling haben mein Leserherz gestohlen.
Der perfekte Roman für alle, die gerne in Generationen denken und keine Angst vor schweren Fragen in leichten Sätzen haben.