Drei Generationen auf der Suche nach sich selbst
In „Real Americans“ begleiten wir drei Generationen einer chinesisch-stämmigen Familie durch ihr Leben und die Suche nach sich selbst und ihrer (kulturellen) Identität. Dabei geht die Autorin nicht chronologisch vor, denn sie beginnt mit Lily, die die „mittlere“ Generation verkörpert - die Generation der Söhne und Töchter von Auswanderern. Geboren in den USA wird Lily zu einer „echten Amerikanerin“ erzogen - oder zumindest dem, was die Auswanderereltern dafür halten.
Sie kennt - aus Sicht der Eltern glücklicherweise - nur ein behütetes Aufwachsen in stabilen Verhältnissen und ein Umfeld, in dem sie grundsätzlich alles erreichen kann was sie möchte. Doch was möchte Lily eigentlich? Diese Frage kann sie selbst nicht beantworten. Und als sie in eine Beziehung mit einem reichen Unternehmerssohn - ein weißer Amerikaner mit deutschen Wurzeln - stolpert, nimmt sie dieses Leben im Luxus an. Zunächst.
Denn im zweiten Teil begegnen wir Lily 20 Jahre später. Sie ist alleinerziehend und lebt mit ihrem Sohn Nick auf einer kleinen Insel an der amerikanischen Westküste nahe Seattle. Nick ist mittlerweile im letzten High School Jahr und erstaunlicherweise sieht er überhaupt nicht chinesisch aus. Was ihn eigentlich noch „amerikanischer“ macht - und trotzdem ist das für ihn selbst nicht immer leicht zu handhaben. Nick ist mir sofort ans Herz gewachsen und war - das muss ich zugeben - mit Abstand meine Lieblingsfigur in diesem Roman.
Als Leser wissen wir nicht, was zwischen Lily und ihrem Mann vorgefallen ist - und Nick weiß es auch nicht. Er kennt seinen Vater nicht, begibt sich aber heimlich auf die Suche nach ihm. Und lernt ihn kennen. Plötzlich fallen für ihn viele Puzzleteile an seinen Platz und auch für ihn wäre ein vermeintlich einfaches Leben im Luxus möglich. Doch Nick geht konsequent seinen eigenen Weg und lernt im Alter von etwa 30 tatsächlich seine Großmutter May kennen - Lilys Mutter, die schon seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr zu ihrer Tochter hat.
May erzählt Nick ihre Geschichte - und die ist nicht nur spektakulär, sondern auch sehr dramatisch und angsteinflößend. Nicht nur für die Figuren des Buches, sondern auch für die Leser, wenn sie die Möglichkeiten der heutigen Wissenschaft bedenken, die hier im Zusammenhang mit Mays und Nicks beruflichem Werdegängen geschildert werden.
Rachel Khong hat viele Themen in diesen Roman gepackt, allem voran die Suche nach Identität in mehreren Generationen mit Migrationshintergrund. Aber auch Biogenetik spielt (am Ende) eine große Rolle - in dieses Thema wäre ich gern noch viel tiefer eingetaucht. Denn auch wenn ich Lilys und Nicks Geschichten (Teile 1 und 2) gern gelesen habe, fand ich sie doch ein wenig zu ausschweifend und teilweile zu alltagslastig. Nicks Studentenleben und die Anfänge der Beziehung zwischen Lily und Matthew werden sehr ausführlich, sogar recht ausschweifend geschildert und ich hätte statt dessen gern mehr über Mays Leben in China und ihre Flucht aus dem kommunistischen Regime gelesen, was aus meiner Sicht im letzten Teil ein wenig kurz kam (zumindest im Vergleich dazu, wie ausführlich die beiden vorherigen Teile erzählt wurden).
Mit einem etwas anderen Erzählfokus hätte dieses Buch ein Highlight für mich werden können, denn vom Stil war ich wirklich begeistert und bin nur so hindurch gerauscht durch dieses Buch. Trotz der von mir empfundenen Längen im 1. und 2. Teil war es für mich aber immer noch ein absolut lesenswerter Roman. Ich könnte mir auch vorstellen, dass er sich gut für Lesekreise oder Buchclubs eignet, weil es viele diskussionswürdige Aspekte darin gibt.
Sie kennt - aus Sicht der Eltern glücklicherweise - nur ein behütetes Aufwachsen in stabilen Verhältnissen und ein Umfeld, in dem sie grundsätzlich alles erreichen kann was sie möchte. Doch was möchte Lily eigentlich? Diese Frage kann sie selbst nicht beantworten. Und als sie in eine Beziehung mit einem reichen Unternehmerssohn - ein weißer Amerikaner mit deutschen Wurzeln - stolpert, nimmt sie dieses Leben im Luxus an. Zunächst.
Denn im zweiten Teil begegnen wir Lily 20 Jahre später. Sie ist alleinerziehend und lebt mit ihrem Sohn Nick auf einer kleinen Insel an der amerikanischen Westküste nahe Seattle. Nick ist mittlerweile im letzten High School Jahr und erstaunlicherweise sieht er überhaupt nicht chinesisch aus. Was ihn eigentlich noch „amerikanischer“ macht - und trotzdem ist das für ihn selbst nicht immer leicht zu handhaben. Nick ist mir sofort ans Herz gewachsen und war - das muss ich zugeben - mit Abstand meine Lieblingsfigur in diesem Roman.
Als Leser wissen wir nicht, was zwischen Lily und ihrem Mann vorgefallen ist - und Nick weiß es auch nicht. Er kennt seinen Vater nicht, begibt sich aber heimlich auf die Suche nach ihm. Und lernt ihn kennen. Plötzlich fallen für ihn viele Puzzleteile an seinen Platz und auch für ihn wäre ein vermeintlich einfaches Leben im Luxus möglich. Doch Nick geht konsequent seinen eigenen Weg und lernt im Alter von etwa 30 tatsächlich seine Großmutter May kennen - Lilys Mutter, die schon seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr zu ihrer Tochter hat.
May erzählt Nick ihre Geschichte - und die ist nicht nur spektakulär, sondern auch sehr dramatisch und angsteinflößend. Nicht nur für die Figuren des Buches, sondern auch für die Leser, wenn sie die Möglichkeiten der heutigen Wissenschaft bedenken, die hier im Zusammenhang mit Mays und Nicks beruflichem Werdegängen geschildert werden.
Rachel Khong hat viele Themen in diesen Roman gepackt, allem voran die Suche nach Identität in mehreren Generationen mit Migrationshintergrund. Aber auch Biogenetik spielt (am Ende) eine große Rolle - in dieses Thema wäre ich gern noch viel tiefer eingetaucht. Denn auch wenn ich Lilys und Nicks Geschichten (Teile 1 und 2) gern gelesen habe, fand ich sie doch ein wenig zu ausschweifend und teilweile zu alltagslastig. Nicks Studentenleben und die Anfänge der Beziehung zwischen Lily und Matthew werden sehr ausführlich, sogar recht ausschweifend geschildert und ich hätte statt dessen gern mehr über Mays Leben in China und ihre Flucht aus dem kommunistischen Regime gelesen, was aus meiner Sicht im letzten Teil ein wenig kurz kam (zumindest im Vergleich dazu, wie ausführlich die beiden vorherigen Teile erzählt wurden).
Mit einem etwas anderen Erzählfokus hätte dieses Buch ein Highlight für mich werden können, denn vom Stil war ich wirklich begeistert und bin nur so hindurch gerauscht durch dieses Buch. Trotz der von mir empfundenen Längen im 1. und 2. Teil war es für mich aber immer noch ein absolut lesenswerter Roman. Ich könnte mir auch vorstellen, dass er sich gut für Lesekreise oder Buchclubs eignet, weil es viele diskussionswürdige Aspekte darin gibt.