Drei Generationen im Schnelldurchlauf

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theblackswan Avatar

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Was macht Personen zu "echten Amerikanern"? Was bedeutet Scham, Identität und Zugehörigkeit für den Verlauf eines Lebens? Wie viel unseres Lebens und das unserer Kinder können wir guten Gewissens vorbestimmen? All diese extrem aktuellen Fragen stellt sich Real Americans von Rachel Khong, übersetzt von Tobias Schnettler.

Die Themen, die unter dem Text liegen, werden meiner Meinung nach beim Lesen eindeutig klar. Wir erfahren im Kopf der Figuren von ihren Struggles mit Zugehörigkeit, mit den Erwartungen, die an sie gestellt werden und ihrem Umgang damit. Vor allem ist es ein Buch über Eltern und Kinder und die Startmöglichkeiten, die man ihnen gibt. Wie man versucht, es für die nächste Generation besser zu mache und dann doch unweigerlich neue Probleme schafft. Den Aspekt des transgenerationalen Traumas fand ich in diesem Buch sehr schön aufgearbeitet. Dieser Aspekt, die Verlorenheit und der Wunsch nach Zugehörigkeit sind auch sprachlich extrem gut verpackt, die Zitate gehen direkt ins Herz.

Womit ich allerdings meine Probleme hatte war die Erzählweise. Diese holpert teilweise sehr dahin, ist lückenhaft und zeigt uns einen Zeitraffer dreier Leben. Es fühlt sich teilweise an als blinzelt man, ist in einer anderen Realität und hat etwas verpasst. An manchen Stellen stört das nicht, an anderen hätte ich mir gewünscht, dass wir kurz verweilen, um das wichtige und tiefgründige Thema genauer zu beleuchten, die Emotionen der Figuren dazu besser zu verstehen. Da wurde denke ich viel Potential für Introspektion verschenkt, das fand ich sehr schade.

An sich ist das ein Buch, für das man arbeiten muss, bei dem sich das Bild erst gegen Ende wirklich entfaltet. Man muss damit Leben, dass man manche Dinge nie erfährt und vor allem muss man damit Leben, dass das Buch extrem unbequem wird. Wir müssen mit Widersprüchen leben, wie Menschen sie nunmal haben, wir müssen uns unseren eigenen Glaubenssetzen und Vorstellungen an Ethik stellen und wir müssen damit leben, dass uns nicht alle Antworten vorgekaut werden und wir nach dem Buch mit mehr Fragen zurückgelassen werden, als Antworten.