Ein ambitioniertes Familienepos mit wissenschaftlichem Twist

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yvonnchen Avatar

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Rachel Khong hat mit hier ein Buch geschaffen, das einen starken Sog entwickelt, mich am Ende aber etwas zwiegespalten zurückgelassen hat.
Das Cover war für mich nicht ausschlaggebend, da ich das Buch als ebook gelesen habe.
Die Geschichte umspannt drei Generationen einer chinesisch-amerikanischen Familie und behandelt große Fragen: Wer sind wir? Was bestimmt unser Schicksal – unsere Herkunft oder unsere Entscheidungen?
Teil 1 und 2 des Buches: Khong erzählt meisterhaft von der Liebe im New York und der Suche nach Zugehörigkeit. Die Dynamik zwischen Lily und Matthew hat mich sofort gepackt.
Teil 3 des Buches: Hier verliert das Buch für mich leider an Fahrt. Der Fokus verschiebt sich stark auf die Genforschung und ethische Grenzfragen. Während die philosophischen Fragen dahinter spannend sind, fühlte sich dieser Teil für mich zäh an und nahm der eigentlich emotionalen Familiensaga ein wenig den Schwung.
Khongs Schreibstil ist flüssig, klar und sehr beobachtungstark. Besonders in den ersten zwei Dritteln beweist sie ein tolles Gespür für Zwischentöne.
Die Figuren sind das Herzstück: Sie wirken authentisch und sehr angenehm. Man versteht ihre Sehnsucht, den „American Dream“ zu finden, und fühlt ihren inneren Konflikt zwischen Tradition und Fortschritt.
Fazit: Die Autorin wagt sich hier an ein großes, politischeres Konstrukt. Auch wenn der Ausflug in die Genetik im letzten Drittel das Lesevergnügen für mich persönlich gebremst hat, bleibt es ein wichtiger Beitrag über die asiatisch-amerikanische Erfahrung.
Bewertung: Mittelmäßig bis gut – ein starker Start, der sich in der Wissenschaft verliert.