Ein besonderer Familienroman

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birdies_buecherwelt Avatar

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Zunächst begleiten wir Lily im New York der späten 90er, später ihren Sohn Nick auf der Suche nach seiner Herkunft und schließlich führt uns der Roman noch weiter zurück in die Vergangenheit der Familie. Drei Perspektiven, drei Zeiten, die eng miteinander verwoben sind.
Ich bin sehr gut in die Geschichte hineingekommen. Der Schreibstil ist eher ruhig, mit einer sehr angenehme Erzählstimme, bei der man durch die Seiten fliegt. Trotzdem blieb mir Lily im ersten Abschnitt emotional etwas fremd. Es war, als würde ich sie beobachten, aber nicht ganz an sie herankommen. Der Roman ist in drei Teile gegliedert, die jeweils eine andere Figur in den Mittelpunkt stellen. Zum jeweiligen Inhalt möchte ich bewusst nicht mehr sagen, um nicht zu spoilern. Denn gerade die Verbindungen zwischen den einzelnen Abschnitten entfalten ihre Wirkung erst beim Lesen selbst. Am meisten berührt hat mich tatsächlich der dritte Teil. Hier war für mich plötzlich mehr emotionale Tiefe spürbar und ich habe wirklich mitgefiebert.
Die Themen sind groß: Identität, Migration, Familie, soziale Unterschiede, Wissenschaft und Genforschung. Die Idee hinter dem Roman finde ich unglaublich spannend. Gleichzeitig hatte ich stellenweise das Gefühl, dass vieles angerissen wird, aber nicht immer ganz in die Tiefe geht. Die große Auflösung, der eine emotionale „Knall“, blieb für mich am Ende etwas aus. Ich weiß nicht, was genau ich aus diesem Buch mitnehme. Und vielleicht ist genau das der Punkt: diese Geschichte regt zum Nachdenken, zum Hinterfragen, zum Reflektieren an.
Ich kann absolut verstehen, warum dieser Roman so viele begeistert. Auch wenn er mich nicht komplett umgehauen hat, habe ich ihn sehr gern gelesen.