Generationen und ihre Schwierigkeiten

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kgranger Avatar

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Real Americans erzählt die Geschichte einer Familie über drei Generationen hinweg und wechselt dabei die Perspektiven – ein Ansatz, der mir insgesamt sehr gut gefallen hat, auch wenn ich die einzelnen Teile unterschiedlich spannend fand.

Im ersten Teil lernen wir Lily Chen kennen, die als Tochter chinesischer Einwanderer in Amerika lebt und sich ihren Platz in der Gesellschaft mühsam erarbeitet. Sie ist Anfang zwanzig, lebt in New York und arbeitet als unbezahlte Praktikantin, als sie auf Matthew trifft: reich, charmant und Erbe eines Pharmaimperiums. Zwei Welten prallen aufeinander, und obwohl klar ist, wie unterschiedlich ihre Hintergründe sind, entwickelt sich eine Liebesgeschichte, die vielversprechend beginnt. Dieser Einstieg war für mich interessant und atmosphärisch, hat sich stellenweise aber etwas gezogen.

Der zweite Teil war für mich eindeutig der stärkste des Romans. Hier steht Lilys Sohn Nick im Mittelpunkt, der mit seiner Mutter abgeschieden lebt und spürt, dass in seinem Leben etwas fehlt. Er beginnt, nach seinem Vater Matthew zu suchen – und diese Suche nach Herkunft, Identität und Wahrheit war unglaublich spannend und emotional. Die Enthüllungen und inneren Konflikte haben mich richtig mitgerissen, sodass ich diesen Teil kaum aus der Hand legen konnte.

Im dritten Teil wechselt die Perspektive zu Lilys Mutter. Wir erfahren mehr über ihr Leben, ihre Entscheidungen und darüber, wie ihr Beruf das Schicksal der ganzen Familie geprägt hat. Dieser Abschnitt war inhaltlich sehr interessant und hat viele Dinge aus den vorherigen Teilen in ein neues Licht gerückt, auch wenn er für mich nicht ganz an die Spannung von Nicks Geschichte herankam.

Insgesamt ist Real Americans ein vielschichtiger, kluger Familienroman über Herkunft, Zugehörigkeit und die Frage, was uns zu dem macht, was wir sind. Trotz kleiner Längen im ersten Teil überzeugt das Buch durch starke Figuren, große Themen und eine besonders gelungene zweite Hälfte. Vier verdiente Sterne