genetische Identität

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Das Cover ist ästhetisch und beeindruckend, es hat mich sofort angesprochen, ebenfalls der kurze, prägnante Titel, auch wenn dieser nicht viel über den Inhalt verrät. Der Roman begleitet eine chinesisch-amerikanische Familie über mehrere Generationen und über verschiedene zeitliche Epochen von China bis nach Amerika. Die einzelnen Teile werden aus der Perspektive von Lily, dann von ihrem Sohn Nick erzählt und zum Schluss rückblickend aus der Sicht von Lilys Mutter May. Inhaltlich ist man als Leser*in somit zuerst in den aktuelleren Geschehnissen involviert und erfährt am Ende die Hintergrundgeschichte, wie alles begann und wohin die Reise hätte gehen können oder sollen, wenn alles nach Plan verlaufen wäre.
Man braucht als Leser*in Zeit um sich in die Familiengeschichte einzulesen und in die unterschiedlichen historischen und zeitlichen Dimensionen hineinzuversetzen, man kann nicht durch die Kapitel rauschen, ohne nachzudenken und mitzufühlen. Es geht um zentrale Themen wie Identität und Zugehörigkeit. Was macht es aus „echte Amerikaner“ zu sein und warum ist es gesellschaftlich so wichtig? Gesellschaftliche Normen, Rasse und Herkunft und der „American Dream“ stehen im krassen Gegensatz zueinander. Geld beeinflusst, wer sich durchsetzt und wer es leichter hat im Leben. Am meisten beeindruckt hat mich der wissenschaftliche Aspekt, den schon Lilys Mutter May und ihre Forschungskolleg*innen damals verfolgten, wenn auch noch mit einfacheren Methoden, so haben sie dennoch einen Meilenstein in der Genforschung und in der Veränderung von Erbgut ermöglicht. Wie dies etisch vertretbar ist, ist ein weiterer Diskussionspunkt, der zwar nur kurz angeschnitten wird, der aber im Nachhinein zum Weiterdenken anregt. Dürfen nur die gesunden, starken, perfekten Menschen überleben? Geht dadurch nicht die Vielfalt verloren? Wir sind weit mehr als die Summe unserer Teile. Wie weit können wir wirklich frei Entscheidungen treffen oder sind wir nicht immer in gewisser Weise beeinflusst? Die Gabe die Zeit anhalten zu können, finde ich beeindruckend. Die Zeit anzuhalten und die Zeit kontrollieren zu können.