Kette aus Schuld

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europeantravelgirl Avatar

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Überraschungsbücher bergen durchaus die Gefahr, den Lesegeschmack der beschenkten Person nicht zu treffen, und so bin ich vielleicht nicht mit Skepsis, aber doch eher vorsichtig an den lebhaft beworbenen Roman herangegangen.

Die wahre Überraschung: Dieses Buch, das ich für mich so gar nicht auf der Agenda hatte, hat mich voll und ganz abgeholt und überzeugt!

In drei großen Abschnitten lesen wir erst aus der Sicht von Lily, dann von deren Sohn Nick und im alle Puzzleteile an die richtige Stelle schiebenden dritten Abschnitt aus der Perspektive von Großmutter Mai.

Es sind drei Generationen einer Familie und mittendrin drängt die große Frage von Integration und Assimilation in das Leben des amerikanischen Traums. Doch der Roman geht weit über ein Einwandererepos hinaus. Ethische Fragestellungen werden in den Raum geworfen und von verschiedenen Seiten diskutiert wie auch die Frage der Schuld und welche Entscheidungen überhaupt getroffen werden können und dürfen.

Darüber hinaus mochte ich einen gewissen, beinahe magisch anmutenden Aspekt, der sich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht und die entscheidende Frage nach dem Wesen und dem Wert der Zeit aufwirft.

Gerade diese wieder und wieder auftauchenden Motive wie etwa die Auster, die vierblättrigen Kleeblätter oder sogar ein Linsengericht verbinden die drei unterschiedlichen Perspektiven, in denen doch gleichzeitig so vieles gespiegelt wird.

Für mich ein großartiges Leseerlebnis und ein absolut empfehlenswerter Roman!