Nicht ganz wie erwartet

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buecherprinzessin123 Avatar

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Mit dem Roman „Real Americans“ tauchen wir in die Familiengeschichte der Chens ein. Die Familie lebt mittlerweile in der dritten Generation in Amerika. Doch man spürt, dass das Thema Herkunft und Familie sie auch nach Jahren weiterhin bewegt. Stückchenweise erfahren mehr über die Geschichten der einzelnen Familienmitglieder und können dadurch besser verstehen, weshalb Missverständnisse und sogar Brüche zwischen Familienmitgliedern stattfanden.

Da ich spannende und tragische Familiengeschichten gerne mag, hat mir die Grundidee des Romans gut gefallen. Die unvermittelten Zeitsprünge und Wechsel zwischen den Handlungssträngen machten es mir allerdings schwer, der Geschichte zu folgen - man muss sehr konzentriert lesen um nicht den Faden zu verlieren. Die Vielfalt an Themen, die im Roman behandelt werden, sorgt für Abwechslung: So lernen wir die Welt der Gentechnik kennen und stellen uns damit verbundene Fragen der Ethik, gleichzeitig erleben wir mit Nick die ersten Unitage und die erste Liebe und erfahren dank seiner Großmutter Mei, wie es sich während der Herrschaft von Mao in China lebte. Es ist also eine bunte Mischung an spannenden, lehrreichen und teilweise emotionalen Szenen. Jede für sich war interessant, allerdings fehlte für mich ein wenig der rote Faden für ein rundes Gesamtbild. Die Geschichte wirkte auf mich etwas sprunghaft und zerrissen. Dennoch wirft die Geschichte große und wichtige Fragen auf, die dafür sorgen, dass mir der Roman noch lange in Erinnerung bleiben wird. Besonders die Frage, ob Menschen in die Entstehung von Leben eingreifen dürfen und welche ethischen Überlegungen hierbei zu beachten wären, treibt mich auch nach Abschluss der Geschichte um. Für diese Denkanstöße schätze ich „Real Americans“ sehr. Ich kann das Buch daher Leser*innen empfehlen, die sich auch von komplexen Themen nicht scheuen und bereit sind, sich auf eine vielschichtige Lektüre einzulassen.

Fazit: Ein Roman, der wichtige Themen wie Familie, Herkunft und Gentechnik der Zukunft behandelt, aber leider den roten Faden vermissen lässt.