Pageturner

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ellinorliest Avatar

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Gehypten Büchern stehe ich grundsätzlich skeptisch gegenüber. Schon zu oft habe ich erlebt, dass die mehr versprochen wird, als letztendlich gehalten werden kann. Real Americans ist ein solches Hypebuch. Mit einer riesigen Marketingkampagne und der Aktion Deutschland liest ein Buch wurde aus vom Verlag herausgebracht. Der Klappentext klang ebenfalls nach einer Familiengeschichte, wie es sie schon zur Genüge gibt.
Als ich dann zu lesen begann, war ich dafür umso überraschte, dass sie die Geschichte so ganz anders zu entwickeln begann. Tatsächlich wollte ich das Buch nach ein paar Seiten gar nicht mehr aus der Hand legen. Es wird aus drei verschiedenen Blickwinkeln und Zeitpunkten erzählt. Der erste Teil beginnt 1999 und wird aus Lilys Perspektive erzählt. Danach erfahren wir durch ihren Sohn Nick, wie die Handlung ab 2021 weitergeht. Im letzten Teil schließlich erzählt May, Mutter bzw Großmutter der beiden, die Geschichte zu Ende. Dieser Teil ist Vergangenheit und Zukunft gleichzeitig.
Mit dem Beginn jedes der weiteren Teile hatte ich Sorge, die Geschichte könnte mich nicht mehr interessieren oder ich würde nicht hineinfinden. Doch Rachel Khong schreibt derart gut, dass sich dies als völlig unbegründet herausstellte. Real Americans ist ein absoluter Pageturner und jede der drei Perspektiven war genauso spannend wie die anderen.
Ein paar Abers habe ich dennoch. Es waren gar nicht mal so sehr die vielen Zufälle, die mich gestört haben; das Leben schreibt manchmal einfach Geschichten. Vielmehr war es der Mangel an Kommunikation, der sich häufig im Roman findet. Ganz viele Entwicklungen hätten sich vermeiden lassen, hätten manche Personen einfach mehr und besser miteinander gesprochen.
Das magische Element mit dem Samen der Lotuspflanze gefiel mir sehr gut. Weniger gelungen fand ich dagegen das genetische Element. Der Zeitpunkt, zu dem die Veränderungen im Buch vorkommen, sind die späten 1970er / frühen 1980er bzw. der Anfang der 2000er. Selbst mit sehr viel Geld und Wissen, wie es hier vorhanden ist, waren gewisse Dinge zu den damaligen Zeitpunkten nicht möglich. Besonders beim ersteren Zeitpunkt scheint die Autorin selbst nicht so genau zu wissen, wie das denn alles funktionieren soll.
Ich habe Real Americans wirklich gerne gelesen. Dennoch waren es diese Unstimmigkeiten und die Tatsache, dass ich mir noch mehr zur Aussage erwartet hätte, was denn nun eigentlich Real Americans ausmacht, die mich nicht ganz so begeistert zurücklassen, wie ich es erwartet hätte.