Spannend, spoilergefährdet – und overhyped
Rachel Khong gibt durch drei Erzählerstimmen auf drei Zeitebenen (1999, 2020, 2030) Einblick in die Schicksale chinesisch-stämmiger Amerikaner:innen. Die Icherzählerin Lily Chen ist Kunsthistorikern auf Jobsuche und arbeitet 1999 in New York als unbezahlte Praktikantin. Ihre Mutter Mei Ling (*1945) wanderte in den 60ern nach einem Biologiestudium aus China in die USA ein und ist als Wissenschaftlerin ganz und gar nicht mit Lilys Berufswahl einverstanden. Sie hat nach ihrer Ankunft schnell nur noch Englisch gesprochen, betrachtet sich als reine Amerikanerin und schweigt eisern über ihre Kindheit in einem chinesischen Dorf. Menschen wie Mei Ling werden in asiatischen Communitys bissig „Banane“ genannt (nur äußerlich gelb und innen weiß). Lily, die nie Chinesisch gelernt hat, wiederum schiebt der nüchtern-distanzierten Art ihrer Mutter reichlich einseitig die Alleinschuld am Konflikt zwischen ihnen zu. Als die 22-Jährige Matthew, den Sohn einer märchenhaft reichen Pharma-Dynastie, kennen und lieben lernt, wirkt sie wie ein unbeschriebenes Blatt und völlig unvorbereitet, in den US-Ostküstenadel zu heiraten. Lily beobachtet den Heiratsmarkt zwischen weißen Männern und asiatischen Frauen auf beiden Seiten zwar treffend als Trophäenjagd, kann dahinter jedoch noch nicht Rassismus, Klassismus und Misogynie benennen. Durch Lilys jugendliches Alter und ihre fehlende Berufsidentität wirkt dieser erste Teil eher wie ein New Adult Text, der mich mit den ausufernden Hochzeitsriten reichlich gelangweilt hat.
Nach einem Zeitsprung von 20 Jahren treffen wir auf einer Insel vor Seattle Lilys 16-jährigen Sohn Nick, der ohne Vater aufgewachsen ist und den Lily angeblich aus Konsumkritik heraus in großer Sparsamkeit aufzieht, ohne zu erklären, wie sie zu dieser Einstellung gelangt ist. Kein Fernsehen, kein WLAN und bis zur Fahrerlaubnis darf Nick gern warten, bis er 18 ist. Aufgrund von Lilys Exzentrik wäre Nick in der Schule sicher zum Nerd erklärt worden, wären er und Timothy nicht ganz besonders gute Freunde. Mitten in die Planung der Jungen für Studium und Stipendien platzt die Information, dass Nicks Vater sehr wohl Interesse an seinem Sohn hat. Was Nick von Matthew erfährt, klärt jedoch nicht das schwierige Verhältnis zwischen Lily und ihrer Mutter. Durch das Thema Studienplatzwahl und Finanzierung wirkt auch dieser zweite Teil eher wie New Adult, wenn auch aus der Perspektive zweier intelligenter und sympathischer Figuren fesselnd erzählt.
Als Nick in der Zukunft des Jahres 2030 schließlich das große Geheimnis seiner Mutter und seiner Großeltern lüften kann, wird u. a. deutlich, warum Mei Lings Traum für Lily eine wissenschaftliche Karriere gewesen wäre.
Fazit
„Real Americans“ ist nicht der erste Roman über die Spurensuche chinesischer Einwanderer und ihrer Nachkommen. Durch Mei Lings Geheimnis und die Perspektive mehrerer Generationen finde ich das Buch spannend, spoilergefährdet – und overhyped.
Nach einem Zeitsprung von 20 Jahren treffen wir auf einer Insel vor Seattle Lilys 16-jährigen Sohn Nick, der ohne Vater aufgewachsen ist und den Lily angeblich aus Konsumkritik heraus in großer Sparsamkeit aufzieht, ohne zu erklären, wie sie zu dieser Einstellung gelangt ist. Kein Fernsehen, kein WLAN und bis zur Fahrerlaubnis darf Nick gern warten, bis er 18 ist. Aufgrund von Lilys Exzentrik wäre Nick in der Schule sicher zum Nerd erklärt worden, wären er und Timothy nicht ganz besonders gute Freunde. Mitten in die Planung der Jungen für Studium und Stipendien platzt die Information, dass Nicks Vater sehr wohl Interesse an seinem Sohn hat. Was Nick von Matthew erfährt, klärt jedoch nicht das schwierige Verhältnis zwischen Lily und ihrer Mutter. Durch das Thema Studienplatzwahl und Finanzierung wirkt auch dieser zweite Teil eher wie New Adult, wenn auch aus der Perspektive zweier intelligenter und sympathischer Figuren fesselnd erzählt.
Als Nick in der Zukunft des Jahres 2030 schließlich das große Geheimnis seiner Mutter und seiner Großeltern lüften kann, wird u. a. deutlich, warum Mei Lings Traum für Lily eine wissenschaftliche Karriere gewesen wäre.
Fazit
„Real Americans“ ist nicht der erste Roman über die Spurensuche chinesischer Einwanderer und ihrer Nachkommen. Durch Mei Lings Geheimnis und die Perspektive mehrerer Generationen finde ich das Buch spannend, spoilergefährdet – und overhyped.