Suche nach der Identität

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meldsebjon Avatar

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In den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wandert ein chinesisches Paar in die USA aus. Sie geben einen Teilihrer Identität auf, weil sie unbedingt Amerikaner sein wollen. Beide sind Wissenschaftler und machen Karriere, sprechen untereinander nur englisch, kochen nur englische Gerichte und lehren die Tochter nur englisch. Diese wiederum wird natürlich rein äußerlich als asiatisch erkannt und fühlt sich hilflos, wenn sie auf chinesisch angesprochen wird und nicht antworten kann. Sie sucht ihre Wurzeln, ihre Identität, bekommt aber keine Antwort auf ihre Fragen. Den Erwartungen ihrer Eltern hinsichtlich Karriere wird sie auch nicht gerecht. Sie verliebt sich in einen blonden, blauäugigen Amerikaner mit einem extrem reichen Hintergrund und glaubt, nicht gut genug für ihn zu sein. In seiner Familie wird sie herzlich aufgenommen; ihre Eltern hingegen verhalten sich distanziert. Man heiratet, bekommt einen Sohn und dann ist alles auf einmal vorbei. Da mögen die Unterschiede zwischen den Eheleuten eine Rolle gespielt zu haben, möglicherweise aber auch die beruflichen Verbindungen zwischen den beiden Elternpaaren, die vielleicht unerlaubt Einfluss genommen haben auf den Enkel.
Nach einem Zeitsprung in das Jahr 2021 lernen wir Nico oder Nick kennen, der mit seiner Mutter irgendwo im Nirgendwo lebt und seinerseits auch in einer Identitätskrise steckt, die über die der normalen Pubertät hinausgeht. Auch er sucht seine Wurzeln und auch er bekommt keine Unterstützung durch seine Mutter. Wie er seinen Weg findet wird in der zweiten Hälfte erzählt.
Ein sehr aktuelles Thema wird hier auf eine beeindruckende Weise behandelt. Wie soll man sich verhalten, wenn man seinen Kulturkreis verlässt, in ein fremdes Land Kommt? Einerseits wird erwartet, dass man sich anpasst, ein wirkliches zu Hause findet. Andererseits darf man aber seine Wurzeln nicht komplett kappen, denn die machen eine Person ja auch aus. Wie Rachel Khong da umsetzt ist ganz ausgezeichnet. Gar nicht belehrend, sehr einfühlsam, aber auch sehr realitätsbezogen. Ein Buch für Verständnis und Toleranz!