Unterhaltungsroman mit Potenzial zu großer Literatur
Diesen Roman habe ich sehr gerne gelesen. Er hat mich gut unterhalten, war spannend und hat Fragen aufgeworfen, über deren Beantwortung ich länger nachgedacht habe, als die Lektüre anfangs vermuten ließ.
Die über drei Jahrzehnte spielende Geschichte handelt vom Leben der chinesisch stämmigen Familie Chen. Zunächst erzählt die junge, in den USA geborene Lily Chen wie sie als unbezahlte Praktikantin in einem New Yorker Medienunternehmen auf den gut aussehenden, sehr reichen Matthew trifft, ihn heiratet und mit ihm einen Sohn, Nick, bekommt.
Im zweiten Kapitel erzählt Lilys Sohn Nick, der keine Erinnerung an seinen Vater Matthew hat, vom Aufwachsen auf einer Insel mit seiner Mutter, der Suche nach seinem Vater, seinem Studium in Yale, Freundschaften, erster Liebe und dem Beginn seiner beruflichen Karriere.
Das dritte Kapitel wird ebenfalls in der Ich-Form, diesmal von der Mutter Lilys, Mai Chen, erzählt. Sie wächst im maoistischen China auf, flieht mit ihrem späteren Ehemann in die USA, wo sie in Kalifornien als Genetikerin in einem aufstrebenden Pharmaunternehmen arbeitet.
Der Roman mutet zu Beginn fast wie eine romantische Liebesgeschichte im Stil eines Films wie "pretty woman" oder "plötzlich Prinzessin" an. Wunderbar beschrieben sind die gegensätzlichen Lebenswelten der prekär in einer heruntergekommenen Wohnung in China Town in New York lebenden Lily und des superreichen Matthew, der mehrere Luxuswohnungen, einen Privatjet und alle Möglichkeiten hat, die das Hineingeborensein in eine Welt bietet, in der Geld keine Rolle spielt, weil mehr als genug davon vorhanden ist.
Von der Darstellung des Lebens dieser upper class Gesellschaft geht eine Faszination aus, wie sie solchen Geschichten besonders dann innewohnt, wenn diese privilegierte Welt sich scheinbar öffnet für ein "armes" Mädchen. Sie, in den USA geboren und aufgewachsen, augenscheinlich aber asiatischer Abstammung, er, typischer Vertreter des amerikanischen Erfolgsmenschen, blauäugig, blond, muskulös, superreich.
Klingt schon wieder nach kitschiger Lovestory. Ist es aber nicht. Zu viel steht schon im ersten Kapitel zwischen den Zeilen. Die Familie Lily Chens scheint außer ihrem asiatischen Aussehen nichts mehr mit China zu tun zu haben, "es war, als folgten sie einem Handbuch zum Amerikanischsein" S. 61. Die zwischenmenschlichen Gefühle, die Schwingungen zwischen den gegensätzlichen Welten fand ich sehr gut beschrieben. Hier geht es um mehr als um eine kitschige Liebesgeschichte. Es geht u. a. um Sinnfindung. Lily, die mit der Hilfe Matthews endlich einen bezahlten Job hat, findet hierin keinen tieferen Sinn, ebensowenig wie in der anfänglichen Familiengründung mit Matthew.
Irgendetwas fehlt und stimmt hier ganz und gar nicht. Aber was ist es ? Können die ursprünglichen Wurzeln nie vollständig abgestreift werden ? Weder bei Lily, noch bei Matthew ? Welche Rolle spielen die Eltern, die genetischen Dispositionen, das Umfeld, in dem Menschen aufwachsen ? Spätestens mit dem Beginn des zweiten Kapitels, in dem klar wird, dass Lily ihren Sohn Nick allein großgezogen hat, wird der Leser auf eine Spur gesetzt, die ihn nicht mehr losläßt und den Roman zu einem spannenden Pageturner macht.
Große Themen werden hier angerissen. So glaubt Mai, die Wissenschaftlerin, ihre Bestimmung in der Aufgabe gefunden zu haben "zu verändern, wie das Leben sein konnte. Ich würde das Ungerechte gerecht machen - richtig stellen, was falsch war" S. 347. Wie sie diese Bestimmung als Genetikerin umsetzt führt zu großen interfamiliären Umwälzungen.
Doch nicht nur die Frage, ob wir von der Möglichkeit Gebrauch machen sollen und dürfen, unser Leben zum vermeintlich Optimalen hin durch medizinische Eingriffe zu verändern, wird hier verhandelt. Es geht auch um Migration, Zugehörigkeit, Kapitalismus- und Kommunismuskritik, Gesellschaftskritik im weitesten Sinne, Liebe, Identität, Lebenssinn. Das alles gewürzt mit einem Schuss Magie und Science Fiction Elementen.
Jedoch sind es m. E. einfach zu viele Themen die hier behandelt werden. Das geht zu Lasten der Ausdifferenzierung der einzelnen Charaktere und zu Lasten der tiefgründigeren Entwicklung der so leider nur angerissenen Themen. Hierdurch verspielt die Autorin das Potenzial zu wirklich großer Literatur.
Dennoch vergebe ich gute vier Sterne für diesen lesenswerten Unterhaltungsroman.
Die über drei Jahrzehnte spielende Geschichte handelt vom Leben der chinesisch stämmigen Familie Chen. Zunächst erzählt die junge, in den USA geborene Lily Chen wie sie als unbezahlte Praktikantin in einem New Yorker Medienunternehmen auf den gut aussehenden, sehr reichen Matthew trifft, ihn heiratet und mit ihm einen Sohn, Nick, bekommt.
Im zweiten Kapitel erzählt Lilys Sohn Nick, der keine Erinnerung an seinen Vater Matthew hat, vom Aufwachsen auf einer Insel mit seiner Mutter, der Suche nach seinem Vater, seinem Studium in Yale, Freundschaften, erster Liebe und dem Beginn seiner beruflichen Karriere.
Das dritte Kapitel wird ebenfalls in der Ich-Form, diesmal von der Mutter Lilys, Mai Chen, erzählt. Sie wächst im maoistischen China auf, flieht mit ihrem späteren Ehemann in die USA, wo sie in Kalifornien als Genetikerin in einem aufstrebenden Pharmaunternehmen arbeitet.
Der Roman mutet zu Beginn fast wie eine romantische Liebesgeschichte im Stil eines Films wie "pretty woman" oder "plötzlich Prinzessin" an. Wunderbar beschrieben sind die gegensätzlichen Lebenswelten der prekär in einer heruntergekommenen Wohnung in China Town in New York lebenden Lily und des superreichen Matthew, der mehrere Luxuswohnungen, einen Privatjet und alle Möglichkeiten hat, die das Hineingeborensein in eine Welt bietet, in der Geld keine Rolle spielt, weil mehr als genug davon vorhanden ist.
Von der Darstellung des Lebens dieser upper class Gesellschaft geht eine Faszination aus, wie sie solchen Geschichten besonders dann innewohnt, wenn diese privilegierte Welt sich scheinbar öffnet für ein "armes" Mädchen. Sie, in den USA geboren und aufgewachsen, augenscheinlich aber asiatischer Abstammung, er, typischer Vertreter des amerikanischen Erfolgsmenschen, blauäugig, blond, muskulös, superreich.
Klingt schon wieder nach kitschiger Lovestory. Ist es aber nicht. Zu viel steht schon im ersten Kapitel zwischen den Zeilen. Die Familie Lily Chens scheint außer ihrem asiatischen Aussehen nichts mehr mit China zu tun zu haben, "es war, als folgten sie einem Handbuch zum Amerikanischsein" S. 61. Die zwischenmenschlichen Gefühle, die Schwingungen zwischen den gegensätzlichen Welten fand ich sehr gut beschrieben. Hier geht es um mehr als um eine kitschige Liebesgeschichte. Es geht u. a. um Sinnfindung. Lily, die mit der Hilfe Matthews endlich einen bezahlten Job hat, findet hierin keinen tieferen Sinn, ebensowenig wie in der anfänglichen Familiengründung mit Matthew.
Irgendetwas fehlt und stimmt hier ganz und gar nicht. Aber was ist es ? Können die ursprünglichen Wurzeln nie vollständig abgestreift werden ? Weder bei Lily, noch bei Matthew ? Welche Rolle spielen die Eltern, die genetischen Dispositionen, das Umfeld, in dem Menschen aufwachsen ? Spätestens mit dem Beginn des zweiten Kapitels, in dem klar wird, dass Lily ihren Sohn Nick allein großgezogen hat, wird der Leser auf eine Spur gesetzt, die ihn nicht mehr losläßt und den Roman zu einem spannenden Pageturner macht.
Große Themen werden hier angerissen. So glaubt Mai, die Wissenschaftlerin, ihre Bestimmung in der Aufgabe gefunden zu haben "zu verändern, wie das Leben sein konnte. Ich würde das Ungerechte gerecht machen - richtig stellen, was falsch war" S. 347. Wie sie diese Bestimmung als Genetikerin umsetzt führt zu großen interfamiliären Umwälzungen.
Doch nicht nur die Frage, ob wir von der Möglichkeit Gebrauch machen sollen und dürfen, unser Leben zum vermeintlich Optimalen hin durch medizinische Eingriffe zu verändern, wird hier verhandelt. Es geht auch um Migration, Zugehörigkeit, Kapitalismus- und Kommunismuskritik, Gesellschaftskritik im weitesten Sinne, Liebe, Identität, Lebenssinn. Das alles gewürzt mit einem Schuss Magie und Science Fiction Elementen.
Jedoch sind es m. E. einfach zu viele Themen die hier behandelt werden. Das geht zu Lasten der Ausdifferenzierung der einzelnen Charaktere und zu Lasten der tiefgründigeren Entwicklung der so leider nur angerissenen Themen. Hierdurch verspielt die Autorin das Potenzial zu wirklich großer Literatur.
Dennoch vergebe ich gute vier Sterne für diesen lesenswerten Unterhaltungsroman.