Vererbtes gut gemeint aber schlecht angekommen

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leilalala Avatar

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Nach der Leseprobe dachte ich, ich werde eine Familiengeschichte diesen jungen ungleichen Paares (er reich, erfolgreich dank der Familie; sie aus einer armen Familie und ziemlich verloren, was sie mit ihrem Leben anfangen will) verfolgen und dass es um ihre Beziehungsdynamik gehen wird.
Und da fing das Problem wahrscheinlich an, denn das ist überhaupt nicht, was passiert. Die Beziehung, die Dynamik und Ungleichheit sind nur 3 von sehr sehr vielen Themen, die die Autorin in 4 Zeitebenen innerhalb einer Familie aus 3 verschiedenen Perspektiven erzählt.
Dabei bleiben einem die Figuren relativ fern, daher war es schwer dem ausschweifenden Text immer gebannt zu folgen, auch wenn super viel sehr spannendes und interessantes passiert.
Das Überzeugendste war für mich der schöne nüchterne Stil der Autorin, der all diese Themen (Rassismus, Klassismus, Sexismus, das Aufwachsen als Frau in verschiedenen Kulturen, Migration, politische Propaganda, Wissenschaftsethik und so viele mehr) mit der Geschichte mühelos und doch gut beobachtet verbindet.
Aber die Geschichte wirkt überladen, die einzelnen Themen bekommen keinen Raum und ich habe zusätzlich auch noch etwas ganz anderes erwartet.